Josef Seemüller an Hugo Schuchardt (08-10494)

von Josef Seemüller

an Hugo Schuchardt

Wien

19. 11. 1917

language Deutsch

Schlagwörter: Phonogrammarchiv (Wien)

Zitiervorschlag: Josef Seemüller an Hugo Schuchardt (08-10494). Wien, 19. 11. 1917. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2021). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8350, abgerufen am 21. 01. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8350.


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[Wien, 19.11.1917]

Hochverehrter Herr Kollege!

Hier, auf den mit Dr. Pfalz überschriebenen Blättern seiner Abschrift und Akzentuierung der zwei Platten, auf den meinen Namen tragenden die meinige (die Abschrift von Platte 2177 hat mir Pfalz zur Verfügung gestellt, doch ihre Akzent. ist von mir).1 Ich lege noch eine von Pfalz verfertigte Abschrift der Platte 2178 bei (durch die er mir das Abschreiben hatte ersparen wollen).

Sie werden Übereinstimmungen des Hörens bemerken, aber auch viele Abweichungen: ihre Zahl vermindert sich, wenn Sie die Wörter abziehen, in denen die Haupttöne von beiden Beobachtern gleich gehört wurden, der eine aber außerdem einen Nebenton beobachtet hat.

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Belohnen Sie, bitte ich, unseren Versuch dadurch, daß Sie mir schreiben, ob Sie die Aufzeichnungen überhaupt benutzen, d. h. Anwendbarkeit auf Ihre eigene bessere Kenntnis baskischer Akzentuierung konstatieren konnten. Denn wir werden daraus lernen, ob unsere Beurteilung des eigenen Hörens richtig oder unrichtig war.

Noch sei gesagt, daß der Zustand der Platte 2178 nicht gut ist. (Schlangenlinien in meinen Blättern bedeuten, daß ich die so vermerkten Wörter schlecht oder gar nicht hörte). Die von Urquijo verfertigte Transkription stimmt nicht immer mit dem was ich zu hören vermochte. So hat die Sprecherin z. B. (im Titel von 2177) nichtSalamonen sondern Salamon gesprochen. Und dergleichen mehr.

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Pfalz und ich haben ganz unabhängig voneinander gehört und akzentuiert, haben unser Ergebnis zwar verglichen, aber nichts ausgeglichen.

In aufrichtiger Verehrung und mit besten Grüßen

Ihr ergebener
Seemüller

Wien, 19.XI.17

[Es folgen 5 Seiten Transkription der Platten 2178 u. 2177, einmal von Seemüller, einmal von Pfalz, die, da sehr gut lesbar, hier nicht wiedergegeben werden!]

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1 Die heutige Sign. Ph 2177 des Wiener Phonogrammarchivs weist für die Platten Ph 2177-2180, die auf 1913 datiert werden, die folgende Beschreibung auf: „Traditionelle Erzählung, Volkslied, Gelegenheitsgedicht mit Gesang“ und nennt Rudolf Trebitsch (1876-1918) als Urheber. Als Entstehungsjahr wird 1913 vermerkt. Trebitsch hatte 1913 in Sare, Briscous und Hasparren (Pyrénées Atlantiques) volkskundliche Forschungen betrieben. Möglicherweise bat Schuchardt Seemüller und Pfalz um Abhörung und Transkription von Trebitsch’s baskischen Aufnahmen, weil er den beiden mehr linguistischen Sachverstand zutraute als Trebitsch, obwohl er mit diesem in regem brieflichen Austausch stand (HSA 11759-11780).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10494)