Anton Schönbach an Hugo Schuchardt (07-10152)

von Anton Schönbach

an Hugo Schuchardt

Graz

13. 04. 1886

language Deutsch

Zitiervorschlag: Anton Schönbach an Hugo Schuchardt (07-10152). Graz, 13. 04. 1886. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2020). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8293, abgerufen am 26. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8293.


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[Graz, 13.4.1886]

Sehr geehrter herr kollege,

eben hat mir professor Sauer mitgeteilt, Sie hätten ihm heute die vermutung ausgesprochen, ich trage daran die schuld, daß Sie und kollege Meyer zu dem gestrigen Sauerabende1 nicht eingeladen wurden. diese vermutung ist ganz unrichtig. ich habe nur, als ich samstag gegen abend hrn. stud. Hauffen2 auf der straße begegnete, ihm den wunsch des prof. Streintz3 mitgeteilt, welchen dieser tags zuvor bei einem gemeinsamen abendessen geäußert hatte, daß er, falls die studenten einen abschiedsabend für Sauer veranstalten wollten, eingeladen werden möchte. ich habe im übrigen weder gewußt, wer eingeladen würde, noch, wer nicht, und nach keiner richtung hin sonst den mindesten einfluß geübt. ich habe gestern abend einige kollegen vorgefunden, die ich nicht dort erwartet hatte, andere

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wider nicht, deren anwesenheit ich voraussetzte. –

Sauer erzählt mir ferner, daß Sie geäußert haben, es sei bei dem Kaltenbrunnerbankett4 ähnlich gewesen, da hätte ich auch verhindert, daß Sie eingeladen würden. auch dies muß ich mit aller entschiedenheit als völlig grundlos bezeichnen. ich habe damals die Namen derer, welche eingeladen waren, (viele darunter, die ich gar nicht kannte) erst kennen gelernt, als ich auf der herumgeschickten liste den betrag für mein couvert subskribierte. prof. Gurlitt5 wird Ihnen auf befragen diesen sachverhalt bestätigen können und müssen. –

Die wahrnehmung, welche mir Ihre äußerungen aufnötigen, ist eine sehr unliebsame. ich hatte

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gedacht, der alte span6 zwischen uns sei begraben und vergessen, muß aber jetzt finden, daß Sie doch noch gegen mich voreingenommen sind. ich wünschte auf das lebhafteste, Sie könnten sich zu einer besseren ansicht von mir entschließen. ich habe seitdem das gute einvernehmen hergestellt war, nichts daran fehlen lassen, es zu erhalten und will das auch weiter tun, wie Ihnen dieser brief beweisen mag.

vielleicht sind so freundlich und teilen diese zuschrift auch dem kollegen Meyer mit, ich bitte Sie darum.

mit kollegialem gruß

Ihr ganz ergebener
A. E. Schönbach

Graz, 13.4.86. 2 uhr nachm.


1 Wohl ein Abschiedsabend des nach Prag berufenen Sauer.

2 Adolf Hauffen (1863-1930), bedeutender österr. Germanist und Literaturhistoriker, 1886 in Graz promoviert mit der Arbeit Walthers von Rheinau Marienleben: eine litterarhistorische Untersuchung (leider kein Promotionsakt im UA Graz). Vermutlich wurde die Arbeit von Schönbach betreut.

3 Heinrich Streintz (1848-1892), Grazer Physiker; vgl. HSA 11312.

4 Ferdinand Kaltenbrunner (1851-1902), österr. Historiker, 1881 von Graz nach Innsbruck berufen.

5 Wilhelm Gurlitt (1844-1905), österr. Archäologe, seit 1877 Prof. in Graz. Vgl. HSA 04231-04244 bzw. ebda. die Bearbeitung (inkl. Gegenbriefe) durch L. Olet.

6 „Hader, Zank, Meinungsverschiedenheit“; vgl. DWB 16, col. 1867ff.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10152)