Anton Schönbach an Hugo Schuchardt (01-10146)

von Anton Schönbach

an Hugo Schuchardt

Graz

07. 02. 1877

language Deutsch

Zitiervorschlag: Anton Schönbach an Hugo Schuchardt (01-10146). Graz, 07. 02. 1877. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2020). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8287, abgerufen am 26. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8287.


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[Graz, 2.7.1877]

Sehr geehrter herr kollege,

v. Karajan1 macht mich darauf aufmerksam, daß es Ihnen erwünscht sein könnte, hier oder in Wien lebenden personen gegenüber etwas schriftliches von mir in der hand zu haben.2

demnach erkläre ich wie heute nachmittag:

1. daß ich in keinerlei weise zu den in Wien über sie circulierenden äußerungen anlaß gab und gegeben haben kann. das letztere wird wissen, wer meine persönlichen beziehungen zu Wiener professoren und die art meiner correspondenz mit ihnen kennt.

2. bedauere ich sehr, geäußert zu haben, daß ich einen Sie betreffenden antrag stellen würde. zwar bin auch ich als ordentlicher professor ein stimm- und urteilsberechtigtes mitglied des collegiums, allein ich finde es nun wie Sie ungeziemend, als jüngerer college über einen älteren und mir überlegenen absprechend geurteilt zu haben. ich füge noch bei, daß ich zu meinen worten zuerst durch die äußerungen von

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kollegen gebracht worden bin, welche meinten „ dazu würde niemand die kourage haben“, worauf ich erwiderte, „ich hätte sie“.

ich bemerke noch, was allerdings die absicht nicht mindert, daß es zur ausführung kaum gekommen wäre. wer mich kennt, weiß, daß bei mir nichts so heiß gegessen als gekocht wird.

Endlich erkläre ich noch, daß keines meiner jemals über Sie gesprochenen worte aus einer Ihnen feindlichen stimmung entsprungen war, sondern aus dem ärger darüber, daß Sie den von mir sowol auf einen persönlichen verkehr mit Ihnen, als auf Ihre würksamkeit im collegium gesetzen hoffnungen nicht entsprachen. was ich je sagte, war immer mit zusätzen begleitet, die meine meinung unzweifelhaft machten, man scheint es unterlassen zu haben, Ihnen von diesen Zusätzen mitzuteilen.

Indem ich es Ihnen freistelle von diesen zeilen Ihnen beliebigen gebrauch zu machen zeichne ich mich achtungsvoll als

Ihr

ergebener

Schönbach

Graz, 2. juli 1877.


1 Max von Karajan (1833-1914), klass. Philologe, der von 1857 bis 1904 in Graz lehrte; vgl. HSA 05295-05297.

2 Der Hintergrund dieses Briefes bleibt unklar, vgl. aber den Brief von Johannes Schmidt an Schuchardt (HSA 07-10099, 29.7.1875).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 10146)