Adolf Bauer an Hugo Schuchardt (12-00623)

von Adolf Bauer

an Hugo Schuchardt

Schärding

14. 08. 1914

language Deutsch

Schlagwörter: Erster Weltkrieg

Zitiervorschlag: Adolf Bauer an Hugo Schuchardt (12-00623). Schärding, 14. 08. 1914. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2020). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8175, abgerufen am 29. 01. 2023.


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[Postkarte, SCHÄRDING-STEINACH, 14.VIII.14]

Mitterndorf-Zauchen1
13. Aug. 1914

L. Fr.

Ich habe Deine am 26. v. M. hieher gerichtete Frage wegen A. Ledls noch nicht beantwortet. Der Genannte ist Professor am I. Staatsgymnasium und will sich auf Grund der von Dir in Winter’s Neuerscheinungen bemerkten Schrift2 bei uns für klassische Philologie habilitieren. Ich hatte darüber kurz vor meiner Abreise von Graz noch eine Besprechung

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[zu] der Ledl auch einberufen ist, so ist die Sache vorläufig nicht aktuell. Wenn Du weißt, wie es Loewi’s3 geht und wo sie sind, so schreibe uns, die Zeitungsnachrichten über die Haltung der Belgier gegen Deutsche und Österreicher macht uns um ihr Schicksal besorgt. Von Willi4 haben wir eine am 3. geschriebene Karte, die uns seine Ankunft in Zloczow5 berichtet, am 6., einen am 4. Geschriebenen Brief aber erst gestern (12.) erhalten, er hat zunächst in einem Hotel Quartier gefunden und schreibt von guter Stimmung, sein Bataillon hat die Eisenbahn zu bewachen und er war für die nächste Zeit seiner Abkommandierung zu dieser Aufgabe gewärtig. Seine Feldpostadresse ist k. k. Leutn. d. Res. 80. Infanteriergt. Feldpost No 80. Vorgestern Nachmittag hatten wir den Besuch des Hofrats Hann6 mit Frau und Tochter, die von Aussee mit einem Wagen gekommen waren, denn auf unserer Strecke ist der Personenverkehr noch immer gesperrt; die Wiener Blätter bekommen wir am nächsten Vormittag, die Grazer mit 2-3 tägiger Verspätung, auch Briefe haben noch immer mehrtägige Verspätungen. Ich versuche vergeblich Bouché-Leclerq’s Seleuzidengeschichte7 Interesse abzugewinnen. Wünschen wir daß es überall so weitergeht wie bisher.

Mit herzlichen Grüßen von uns Allen

Dein
A. B.


1 In der oberen Steiermark.

2 Artur Ledl, Studien zur älteren athenischen Verfassungsgeschichte, Heidelberg: Winter, 1914. – Ledl (1878-1916) stammte aus Brünn; 1902-05 unterrichtete er am Gymn. in Radautz (Bukowina), ab 1905 am I. Staatsgymn. in Graz. L. betrieb neben dem Lehramt auch gründliche Forschungen zur attischen Rechts- und Verfassungsgeschichte. Die geplante Habilitation wurde durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges vereitelt (ÖBL 1815-1950, Bd. 5 (Lfg. 21, 1970), S. 86).

3 Otto (1873-1961), Guida geb. Goldschmiedt (1888-1958) und Guido (1915-?) Loewi. Otto Loewi, gebürtig aus Frankfurt a. M., war ein deutsch-österreichisch-amerikanischer Gelehrter, seit 1909 Ordinarius für Pharmakologie in Graz, 1936 Nobel-Preis für Medizin, 1939 erzwungene Auswanderung über Brüssel und Oxford nach New York, wo er eine Professur für Pharmakologie erhielt. Vgl. HSA 06599-6605 (Otto), 06585-06596 (Guida), 06597-06599 (Guido).

4 Wilhelm Bauer, Jg. 1888.

5 Solotschiw, Ukraine.

6 Julius von Hann (1839-1921), österr. Meteorologe, von 1897 bis 1900 Professor für Meteorologie in Graz, danach in Wien; vgl. HSA 04361.

7 Auguste Bouché-Leclercq, Histoire des Séleucides: (323-64 avant J. C., Paris: Leroux, 1914.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 00623)