Alphons Leopold Mielich an Hugo Schuchardt (03-07359)

von Alphons Leopold Mielich

an Hugo Schuchardt

Dornbach bei Wien

26. 12. 1896

language Deutsch

Schlagwörter: Jagič, Vatroslav Ignaz

Zitiervorschlag: Alphons Leopold Mielich an Hugo Schuchardt (03-07359). Dornbach bei Wien, 26. 12. 1896. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8069, abgerufen am 17. 01. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8069.


|1|

Dornbach, am 26./12.1896 –
Vom 28/12 A. L. M. Leogang Pinzgau Salbzburg

Hochgeehrter Herr Professor!

Die ganze Handschriften Angelegenheit hätte von Haus aus einen einfacheren klareren Weg nehmen können, wenn Sie hochgeehrter Herr Professor gleich anfänglich klar geäussert hätten: „Ich schätze dieselben auf 3-400 fl. aus diesen und diesen Gründen“ –

Verzeihen Sie gütigst diese meine Offenheit und Geradheit – aber das gehört zu meinen Lebensprincipien, weil ich der Überzeugung geworden – solcherart immer besser zu fahren, schneller und annehmbarer –

Ich konnte nicht umgehend antworten, weil die heftigsten neuralg. Schmerzen mich seit 3 Tagen er- |2| neuert derart quälen, dass ich unfähig zu jedweder Arbeit bin – und mich auch zwingen ehebaldigst eine Luftveränderung vorzunehmen –

Da mich aber allerlei wichtige Geschäfte hindern heuer meine gewohnte Studienreise nach Ägypten zu unternehmen will ich nun u. z.1 schon Montag auf 10 – 14 Tage ins Gebirge gehen –

Doch zur Sache:

Musste ich nicht zur gemachten Werth- resp. Preisschätzung durch Ihre w. Zeilen kommen wo Sie ausdrücklich hervorheben georg. Hdss. seien kein Handelsartikel – musste ich daraus nicht vorerst schliessen – solche hätten nur Liebhaberpreise. – Hofrat Jagič schätzte die Slav. directe – also konnte ich ihm doch unter keinen Umständen mehr sagen –

Doch all dies ist doch nebensächlicher, Hauptsache ist: 1) ich will ehebaldigst die Hss. veräussern 2.) wäre es |3| mir aber recht sie in Österr. verbleibend zu wissen u. 3.) zu trachten, die verausgabte Summe unter allen Umständen herein zu bringen. –

Meine frühere Calculation ist Ihnen ja bekannt, nun muss ich dieselbe dahin modificiren, zumindest den Ankaufspreis zu erzielen – ohne gezwungen zu sein Hdss. ins Ausland zu lassen – weshalb ich bereit bin die 4 Expl. zum Preis von 500 fl. wegzugeben.

Sie können daraus ein Entgegenkommen meinerseits der öst. Gelehrtenwelt – so hoffe ich – doch gewiss ersehen und nicht ermangeln dies anzuerkennen – umsomehr, wenn ich nochmals erwähne dass der verausgabte Betrag 100 ‎£ St – (alles in allem betrug) – dass ich die Slav. dem Hofrath J. mit 500 fl Verkaufspreis angab, sodass dadurch nicht einmal der Ankaufspreis resultirte, und ein effectiver Schaden erwächst, den ich um so lieber tragen würde, wenn ich nur endlich diese |4| ganze Angelegenheit erledigt weiss. – Noch will ich erwähnen, dass eine der Hdsschr. ein Palimpsest ist, ganz wohl erhalten und nur die anderen 3 Expl. verstümmelt sind, ich ausserdem noch 5 einzelne Blätter iberisch aus verschiedenen Zeitaltern (für paleogr. Studien gewiss sehr geeignet und nicht ohne Werth) zu den 4 Exp. hinzufügen will – sofern Sie Geneigtheit zeigen, zu eben angeführtem Betrag die Hdsschr. erwerben zu wollen – wobei ich als selbstverständlich anführe, dass ich auch, wenn es Ihnen genehm, darauf eingehe die Zahlung auf 2 Raten nach Ihrem Belieben zu theilen –

Sollten Sie wünschen, die Hdssch. vorher noch einer eingehenden Untersuchung zu unterziehen bin ich bereit Ihnen dieselben auf Ihr Risiko zugehen zu lassen. – Indem ich hoffe dass wir doch noch handelseinig werden, theile ich anfügend meine Adresse ǀ: von Montag dem 28 d Mts bis cirka 10 Jänn. :ǀ mit und verbleibe hochachtend

Ihr sehr ergebener
A. L. Mielich


1 „unverzüglich“

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07359)