Gustav Meyer an Hugo Schuchardt (17-07175)

von Gustav Meyer

an Hugo Schuchardt

Oppeln

23. 07. 1883

language Deutsch

Schlagwörter: Monaci, Ernesto Ceci, Luigi Schuchardt, Hugo (1883) Meyer, Gustav (1883)

Zitiervorschlag: Gustav Meyer an Hugo Schuchardt (17-07175). Oppeln, 23. 07. 1883. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.8047, abgerufen am 27. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.8047.


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[Oppeln, Juli 23, 1883]

Lieber Schuchardt

Von einer kleinen Abwesenheit bei meinem Bruder1 zurück gekehrt finde ich heut deinen Brief vor. Ich bitte dich Marie umgehend zur Sendung des Plaid anzuhalten, da ich ihn dringend brauche; hier ist keiner zur Verfügung, da mein Papa selber in der nächsten Woche verreist. Wenn sie ihn gleich nach Empfang dieses Briefes abschickt, so kann ich ihn Freitag noch haben. Aber sie soll keine Ausflüchte machen, die Kosten der Über- |2| sendung trage ja ich.

Für deine sogenannten Aufklärungen in der Baccelli-Angelegenheit kann ich dir allerdings nicht besonders dankbar sein. Ich finde es unnütz, daß du an Monaci von der Inspiration des Ministers geschrieben hast;2 bei dem Charakter der Italiener ist es natürlich, daß Baccelli einem Mann wie Monaci gegenüber alles in Abrede stellen wird und auch durch seinen Capo di gabinetto mir gegenüber wahrscheinlich in Abrede stellen laßen würde. Daß die Sache von ihm ausgegangen oder unter seiner Mitwisserschaft geschehen ist, |3| das ist mir nicht im geringsten zweifelhaft; natürlich hat Ceci3 mich genannt.4 Aber die Beziehungen des Ministeriums zu den betr. liberalen Blättern, die du gesehen hast, sind doch unzweifelhaft. Daß Baccelli gelegentlich lügt, wie alle Italiener, wundert mich nicht (du brauchst diese Anschauung über seinen Charakter aber nicht an Monaci berichten). Ich glaube, an solche Sachen soll man nicht rühren, am wenigsten sollte das ein dritter oder vierter tun, dadurch wird natürlich alles verdorben. Ob ich den betr. Orden bekam, blieb ja dahin gestellt, und es würde mich sein Ausbleiben nicht wesentlich unglücklich gemacht haben; daß ich nun keinen bekomme, ist ebenso |4| natürlich, und ich kann dir den Vorwurf nicht ersparen, daß, falls es möglich gewesen wäre, du ihn nun unmöglich gemacht hast. Es versteht sich übrigens von selber, daß ich in dieser Angelegenheit weder an Ceci noch an Herrn Stüver5 schreiben werde; dich möchte ich bitten die Sache auch nicht weiter in deinen Briefen an Monaci noch in denen an mich zu berühren.

Mit bestem Gruße

Dein

G Meyer


1 Dieser war Staatsanwalt in Wiesbaden.

2 Schuchardt, „Zum Baccelli’schen Gesetze“, Beilage zur Allgemeinen Zeitung (Augsburg,München), 1883, 2779-2780. Vgl. auch HSA, Brief Schuchardts an Monaci (5.7.1883): „„Avrete letto l’articolo sulla legge Baccelliana che Gustavo Meyer scrisse non proprio motu e che è stato tradotto in italiano? Si vede che gli Italiani non hanno perduto il gusto della commedia. Indurre un tedesco a scrivere in favore d’una legge germanizzante e poi buttare il testimonio così procacciato nel guscio della bilancia (un altro gladio di Brenno) mi pare una cosa da ridere. Dissi al Meyer per ischerzo che anch’io pubblicherei qualche cosa sopra codesta legge; ma lui, sapendomi oltremodo pigro, e incapace di terminare un qualunque lavoro in poco tempo, quasi quasi mi sfidò ed io per mostrare che io potessi se volessi, mandai un articoletto alla ,Allgemeine Zeitung‘ che è nè pro nè contra, ma che dice: L’Italia farà da sè. In questo avrò ragione; ma tutto il resto non vale gran cosa“.

3 Luigi Ceci (1859-1927), ital. Sprachwissenschaftler; vgl. HSA 01579-01580. Er arbeitete eine Zeitlang als Privatsekretär des ital. Unterrichtsministers Guido Baccelli.

4 Gustav Meyer, „Die Reform der italienischen Universitäten“, Unsere Zeit 1883, V, 876ff. (Übersetzungen Meyers und Schuchardts in Italienische in: Il Diritto pubblico, 1.6.1883 bzw. 6.11.1883).

5 Giovanni (Johannes Karl Theodor) Struever (Strüver; 1842-1915), deutschstämmiger ital. Mineraloge und Paläontologe, seit 1873 Professor La Sapienza Rom; von Minister Guido Baccelli wegen seiner Deutschkenntnisse offenbar als Ansprechpartner Meyers eingeschaltet.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07175)