Adolf Harpf an Hugo Schuchardt (10-04373)
von Adolf Harpf
an Hugo Schuchardt
08. 10. 1903
Deutsch
Zitiervorschlag: Adolf Harpf an Hugo Schuchardt (10-04373). Leoben, 08. 10. 1903. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2020). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.7951, abgerufen am 24. 01. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.7951.
[Correspondenz-Karte,
LEOBEN 8.10.03]
Leoben 7/10.93
Hochverehrter Lehrer!
Mit gleicher Post erlaube ich mir die in einem meiner vorigen Briefe bezogenen, nunmehr erschienene Publication über den Zusammenschluß der deutschen evangelischen Landeskirchen1 zu übersenden. Ich für meinen Theil vertrete darin die Anschauung, daß allzu starke Centralisation auf rein geistigem (wozu jedoch das Sprachlich-Praktische nicht gehört), an dessen Gefahren Sie neulich mit Hinweisung auf Verberlinerungen hinwiesen, nicht zu begrüßen wären, daß also auch die deutsche Religion nichts mit der politisch=völkischen Vereinheitlichung zu thun haben soll. Kennen Sie das humoristische Büchel Familie Buchholz in Egypten?2 Wenn ja, bitte um Nachricht, ob es sich der Anschaffung lohnt und in welchem Verlage es erschien. Ich habe es nicht gelesen. Besten Dank für Hinweis auf Thilenius3 – das ist, was ich schon lange suchte, denn für mich hat Sprache überhaupt in erster Linie den Zweck der Verständigung – sie ist mir überall nur Mittel – nicht Zweck an sich, wie dem Sprachforscher.
Hochachtungsvoll
DrAdolf Harpf
2 Julius Stinde, Frau Buchholz im Orient, Berlin: Freund und Jeckel, 1897.
3 Georg Thilenius, Ethnographische Ergebnisse aus Melanesien, Halle: Karras, 1903.
