Julius Cornu an Hugo Schuchardt (132-01841)

von Julius Cornu

an Hugo Schuchardt

Vevey

25. 02. 1918

language Französisch

Zitiervorschlag: Julius Cornu an Hugo Schuchardt (132-01841). Vevey, 25. 02. 1918. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann und Katrin Purgay (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.7852, abgerufen am 05. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.7852.


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[Ansichtspostkarte Villa Riant-Port près Vevey le 25 février 1918]1

Cher ami,

Samedi le 23, profitant d’une belle journée, je me suis rendu à Sion, où je me suis procuré l’Almanach du Valais pour 1918.2 J’y ai trouvé dans „Le Valais et le doyen Bridel“ par J.-B. Bertrand un passage qui m’a vivement ému et qui sans doute ne t’émouvra pas moins que moi.

Reçois, cher ami, mes salutations bien cordiales et l’assurance de mes sentiments les plus dévoués.

J. Cornu.3

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1 Da die Karte nicht abgestempelt ist, hat sie wohl dem nicht erhaltenen mitgeschickten Beitrag aus dem Almanach du Valais beigelegen.

2 Vgl. die Zusammenfassung dieses und einiger anderen in diesen Jahren erschienenen Arikel in dem nicht gezeichneten Beitrag „A propos du Doyen Bridel“, Le conteur vaudois: journal de la Suisse romande Jg. 56, H. 25, 1918, S. 1 (29.6.1918).

3 Cornu starb am 27.11.1919 in Leoben, wohin er nach Kriegsende zurückgekehrt war. Warum die Beisetzung in Graz mehr als ein halbes Jahr später erfolgte, konnte nicht ermittelt werden. Möglicherweise war zunächst eine Beerdigung in der Schweiz geplant (vgl. Juds Nachruf in Romania 46, 1920, 452-453). ¬– Schuchardt nahm nicht an der Beisetzung teil, was bei Frau Cornu zunächst für Verwunderung, ja Verstimmung sorgte, die sich aber schnell auflöste, vielleicht, weil Schuchardt zu diesem Zeitpunkt unwohl war: „Ja, hochverehrter Herr Hofrat, Sie haben richtig vermutet, Ihr Fernbleiben am 28. Juni 1920 war eine so schwere Enttäuschung, dass schwarzer Groll mir Ihr ehrwürdiges Bild verdunkelte. Was vermag da eine Freundesstimme, wenn die erwartete letzte Ehren- und Freundschaftsbezeigung ausbleibt, die man für ein teueres Wesen erwartet?! – Freund Pogatscher hat getreulich berichtet; auch gelegentlich Grüsse gemeldet. Aber Worte sind nicht Handlungen. Deshalb empfand ich so bitter und nachhaltig – in Migos Seele hinein – die Unterlassung. Wollen verehrter Herr Hofrat mir vergeben. Denn schliesslich: darf kein Mensch des anderen Freiheit beschränken wollen, noch sich unterfangen, des andern Gründe gering zu achten. ǀ2ǀ Weil uns ein Fest war: Sie bei uns zu begrüssen, od. nach dem Schuchardtdeum miteinander zu pilgern, vermochte ich Ihre Abwesenheit nicht zu fassen. – Ihr heut erhaltenes Schreiben ehrt und rührt mich tief. Und gern will ich mit Freund Pogatscher zu Ihnen kommen u. von Adolf, seinem Söhnlein, u. meinem fast halbjährigen Aufenthalt in meines Migo Heimatland erzpählen“ ( HSA 01935 [Wien, Dreikönigstag 1922]).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 01841)