Julius Cornu an Hugo Schuchardt (096-01805)

von Julius Cornu

an Hugo Schuchardt

Zürich

28. 07. 1911

language Deutsch

Schlagwörter: Universität Zürich Meyer-Lübke, Wilhelm Jud, Jakob Cornu-Kluckauf, Marie-Therese (1923)

Zitiervorschlag: Julius Cornu an Hugo Schuchardt (096-01805). Zürich, 28. 07. 1911. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann und Katrin Purgay (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.7816, abgerufen am 05. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.7816.


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[Carte postale, ZÜRICH-FIL.BAHNHOF, 28.7.1911]
Zürich, 28 Juli 1911.

Lieber Freund,

Gewisse Leute sind wirklich unergründlich. Hätte ich mich nicht in Zürich aufgehalten, wäre mir auch die Möglichkeit entzogen worden, die Sache richtig zu stellen. Nach Zürich hat M.-L. Folgendes geschrieben: „Wenigstens ist es mir gelungen, Jud in den Vorschlag zu bringen“1 und somit hat er mein Verdienst als sein Verdienst hingestellt. Es ist offenbar, dass er sich Jud günstig stimmen will. Denn ich weiss von M.-Ls Bemühungen in Bezug auf Jud auch nicht das Geringste.

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Mit solchen Kerlen wie er und sein Freund M-ger2 kann kein anständiger Mensch verkehren.

Herzlichst

Dein
J. Cornu

Morgen reise ich nach Riant-Port près Vevey.3


1 Es geht vermutlich um die Nachfolge Gartners in Graz, die Adolf Zauner (1870-1940) erhielt. Jakob Jud (1882-1952), dessen forscherische Qualitäten demnach schon früh von verschiedenen Seiten erkannt worden waren, hatte sich 1908 an der Universität Zürich mit einer sprachgeographischen Arbeit habilitiert.

2 Rudolf Meringer.

3 Maria Theresia Kluckauf beschreibt das Familien-Anwesen Riant-Port wie folgt: „Die üppigste Pflanzen- und Blumenpracht, Baumriesen fremder Zonen, Fruchtbäume aller Art und edle Reben, in aufsteigenden Terrassen angepflanzt, sieht man geschmiegt an den Fuß des Mont-Pélerin. Den weitläufigen, mit rieselnden Bächlein durchzogenen Park mit seiner herrlich mächtigen Wellingtonia als Gegensatz zur wunderschön gefärbten Silberpappel, hohen Magnolien mit Blüten groß wie Riesenschalen beleben kleine Goldfischteiche mit Seerosen in allen Farben. Eine Bambusgruppe und Fächerpalmen rauschen im Winde. Erfrischenden Trunk bietet ein plätschernder Brunnen. Vor einer kühlen Grotte blitzt silbern ein Springbrunnstrahl. Eine Warte ladet zur Ruhe ein. Vom See trennt jählings eine Quadermauer, auf der man spazieren kann und angeln und besser noch den Fischlein zuschauen, wie sie glitzernd im Sonnenschein sich tummeln. Die wunderbarste Aussicht in größter Ausbreitung tut sich den Blicken auf! Über dem Wasser am jenseitigen Ufer steigen die Riesen der Alpenwelt empor. Man sieht den Grammont, hinter dessen steil ragendem Rücken Frankreich-Savoyen liegt; man sieht die Dents du Midi und wie sie alle heißen, diese Großen, erstrahlen in rosigem Glanz, in farbenprächtigem Schimmer und wiederum düster und dräuend in den grünblauen Wogen sich spiegeln und man höret der Brandung ewiges Lied! Es ist das Schweizer Eden und Riant-Port der Plätzchen eines, wert der Unsterblichen Sitz zu sein. Der kleine Hafen, der die Boote birgt, ist wunderlieb. Er wird von zwei steinernen Löwen bewacht. Der kleine Barocklöwe sah schon manches Jahrhundert und manchen Gebieter; der große Berber aber ist noch jung. Trauerweiden senken ihre schwankenden Zweige tief in die Fluten; Schwäne und Möven beleben das liebliche Bild“ (Felix Cornu, 1923, 87-88 [89 zwei Photos vom Riant-Port am Genfer See]).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 01805)