Theodor Gartner an Hugo Schuchardt (119-03466)
von Theodor Gartner
an Hugo Schuchardt
27. 07. 1900
Deutsch
Schlagwörter: Dankschreiben
Nordostkaukasische Sprachen (nacho-dagestanische Sprachen)
Rätoromanische Sprachen Schuchardt, Hugo (1900) Gartner, Theodor (1883) Gartner, Theodor (1892)
Zitiervorschlag: Theodor Gartner an Hugo Schuchardt (119-03466). Innsbruck, 27. 07. 1900. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2018). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6850, abgerufen am 15. 10. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.6850.
Verehrter Freund!
Verbindlichsten Dank für Karte und Sendung!1 Es ist noch keine Woche her, dass ich in Ihrem Slawodeutschen etwas nachschlug und dabei auf die Stelle stieß, wo Sie sich auf Ihre Probevorlesung beziehen. Ich bedauerte, sie nicht zu kennen; und nun bekomme ich sie durch Ihre Güte. Diese Veröffentlichung ist von großem Wert für die Geschichte unserer Wissenschaft, sie ist aber auch abgesehen von dem geschichtlichen Interesse sehr lehrreich. Ich habe die Vorlesung sofort zweimal durchgelesen. An vielen Stellen erinnerte ich mich lebhaft an die Schwierigkeiten, |2| die ich zu überwinden hatte, um in meiner Rät. Gramm. die Untermundarten (a bis z) festzustellen2 – ich habe daran ein Vierteljahr lang gerechnet – ferner habe ich mich an die Schwierigkeiten erinnert, die mir später die Vergleichung der Mundart von Erto mit den benachbarten Mundarten gemacht hat.3 Ich habe immer wieder dieselben Erfahrungen gemacht, über die Sie schon 1870 verfügten. Aber wenn auch keine eigentliche Classification herauskommt, eine Eintheilung und Abgrenzung tant bien que mal muss doch sein, damit man sich verständigen kann.
Nochmals recht herzlichen Dank und Gruß!
Ihr
Gartner
Mühlau, 27. Juli 00.
1 Schuchardt, Über die Klassifikation der romanischen Mundarten. Probevorlesung gehalten zu Leipzig am 30. April 1870, Graz: Styria, 1900.
2 Gartner, Rätoromanische Grammatik, Heilbronn 1883, § 200, S. 166ff.
3 Gartner, „Die Mundart von Erto“, ZrP 16, 1892, 183-209; 308-371.
