Hugo Schuchardt an Reinhold Köhler (007-S.353-354)

von Hugo Schuchardt

an Reinhold Köhler

Gotha

Unbekannt

language Deutsch

Schlagwörter: Romanische Studienlanguage Sardisch Straßburg Wentrup, Friedrich (1855) Mitterrutzner, Johann (1856)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Reinhold Köhler (007-S.353-354). Gotha. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2019). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6656, abgerufen am 02. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.6656.


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o. D.1 (Gotha, Ende Oktober 1865 ?)]2

Verehrter Herr Doctor!

[S. 353-354]

Herzlichen Dank für die schnelle Gewährung meiner Wünsche!

Die betreffenden Programme sind:

# Wahlenberg, Einwirkung der Vokale auf Vokale Hedingen 55.

# Schulz, Quaestiones orthographiae Braunschweig 55.

Dietrich, De vocalium quibusdam in ling. lat. affect. Hirschberg 55.

Wentrup, Beiträge zur Kenntnis der neapol. Mundart Wittenberg 55.

Mitterrutzner, Die rätho-ladinischen Dialekte Brixen 56.

Stephan, Einfluss des Slawischen auf das Walachische, Ostrowo 59.

Schmitz, Studia orthoëpica Berlin Fr. Wilh. 57.

# Conradt, Quaestiones Virgilianae, Trier 1863.

Aus welcher Quelle haben Sie denn „Martini Pergamena d’Arborea“ für die Bibliothek erworben? Derselbe hat drei Jahre später; „Nuove pergamene d’Arborea“ folgen lassen, sollte dieses Schriftchen nicht ebendaher zu erlangen sein? Es befremdet mich, dass beständig die Straßburger Eidformeln als ältestes romanisches Denkmal angeführt werden, da sich doch weit |2| umfangreichere Sprachproben des Sardinischen aus dem 8 ten und 9 ten Jhh. vorfinden.3 Selbst Diez in seiner Grammatik erwähnt diese nicht einmal, was er doch auch im Falle der Zweifelhaftigkeit derselben hätte thuen müssen. Sind Sie vielleicht bei Ihren Studien auf irgend eine Notiz über diese sardischen Urkunden gestossen?

Mit dem Drucke meines Werkes4 geht es sehr langsam. Ich bin eben erst über die allerdings 166 Seiten umfassende Einleitung hinaus.

Mit der Versicherung meiner

grössten Erkenntlichkeit

Ihr ergebenster

Dr Schuchardt.

Verzeihen Sie mein flüchtiges Gekritzel!


1 Die Angabe „o. D.“ bedeutet, dass eine Datumsangabe entweder fehlt, oder unvollständig ist. Das erschlossene Datum wird in Klammern gesetzt und mit Fragezeichen versehen.

2 Dieser Brief weist Überschneidungen mit dem vom 24.10.1865 auf, der z. T. die gleichen Titel erbittet. Da sich der Inhalt vor allem darauf konzentriert, steht eine wenig spätere Abfassung zu vermuten.

3 Das Alter der Carte di Arborea war lange umstritten und hat zu heftigen Polemiken geführt, vgl. Barbara Frank / Jörg Hartmann, Inventaire systématique des premiers documents des langues romanes, Tübingen: Narr, 1997 (ScriptOralia 100,1), S. 28-35 („Domaine sarde“).

4 Es geht um Schuchardts Habilitationsschrift; da diese insgesamt 476 Druckseiten umfasst und 1866 erschien, wäre zu diesem Zeitpunkt erst etwa ein Drittel gedruckt.

Faksimiles: Die Verwendung dieses Exemplars im „Hugo Schuchardt Archiv” wurde von der Archivdatenbank des Goethe- und Schiller-Archivs gestattet. (Sig. S.353)