Hermann Niemeyer an Hugo Schuchardt (05-07854)

von Hermann Niemeyer

an Hugo Schuchardt

Halle

09. 02. 1921

language Deutsch

Schlagwörter: Zeitschrift für romanische Philologie Abonnements (Zeitschriften) Buchhandel Inflation

Zitiervorschlag: Hermann Niemeyer an Hugo Schuchardt (05-07854). Halle, 09. 02. 1921. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2018). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6476, abgerufen am 30. 09. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.6476.


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Max Niemeyer Halle a. S., den 9./II. 1921
Verlag
*
Fernsprechanschluss 2218. Herrn
Postscheckkonto Leipzig 46136. Geh.Rat Prof.Dr.Schuchardt
* Graz

Hochverehrter Herr Geheimrat,

Ihre w. Karte vom 3. ds. hat mich schmerzlich berührt. Ich weiss nur zu gut, wie schlimm die Not in Österreich ist. Ich habe dieser Not, wo ich es nur irgend konnte durch weitgehendstes Entgegenkommen in den Bezugspreisen Rechnung getragen. Der enorme Preis, den ich jetzt für die „Zeitschrift für romanische Literatur“ [sic] nehmen muss, ist hauptsächlich darin begründet, daß der Valutaausgleich nach dem Auslande stark zurückgegangen ist. Im gleichen Masse sind die Herstellungskosten gestiegen. Im Vorjahre, als ich die Zeitschrift Heft 1 pro cpl.1 berechnet habe, musste ich 15000 Mark an der Zeitschrift zusetzen. Eine Erhöhung des Abonnementspreises während des laufenden Jahrganges widerstrebte mir, aber solch grosses Defizit können meine Schultern auf die Dauer nicht aushalten. Ich sehe aus Ihren Zeilen, wie schmerzlich Ihnen die Aufgabe des Abonnements der Zeitschrift ist, und ich will Ihnen daher als langjährigem Abonnenten der Zeitschrift weitgehen[d]st entgegenkommen und Ihnen die Zeitschrift für ℳ 1oo.- -. für den ganzen Jahrgang liefern. Mein Angebot bitte ich aber, wenn Sie auch keinen Gebrauch davon machen sollten, streng vertraulich zu behandeln. Die Lieferung müsste dann direkt von mir aus erfolgen, sodaß die Verteuerung durch das Sortiment wegfällt. Im allgemeinen kann und will ich aus prinzipiellen Gründen das Sortiment nicht umgehen, da ja auch dieser Stand zur Verbreitung der Kul- |2| tur beiträgt2 und wir ihm nicht systematisch die Grundlagen entziehen dürfen.

Ihre Separatabzüge aus der Zeitschrift müssen Ihnen schon mittlerweile zugegangen sein.

Mit vorzüglicher Hochachtung

Ihr sehr ergebener

H. Niemeyer


1 „insgesamt“ (pro completo).

2 „Der Sortimenter (d. h. Sortimentsbuchhändler) bezieht seine Ware direkt beim Verlag oder beim Buchgroßhandel, in der Regel von beiden. Beim Kauf erhält er den so genannten Buchhändlerrabatt, der vom festen Ladenpreis abgezogen wird. Der Sortimenter kauft bei seinen Lieferanten in der Regel ,fest‘ ein, ohne oder unter bestimmten Bedingungen auch mit Rückgaberecht (Remission / Remittende), was an bestimmte Termine gebunden ist. In das wissenschaftliche Sortiment wird Fachliteratur oft auch ,in Kommission‘ oder ,bedingt‘ geliefert, nach strikten Vereinbarungen mit dem liefernden Verlag“ (wikipedia).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07854)