Anton Bettelheim an Hugo Schuchardt (22-00991)

von Anton Bettelheim

an Hugo Schuchardt

Wien

12. 01. 1915

language Deutsch

Schlagwörter: Sprachen in Brasilien Académie française Gerold & Co. Morf, Heinrich Brussot, Martin Schuchardt, Hugo (1915)

Zitiervorschlag: Anton Bettelheim an Hugo Schuchardt (22-00991). Wien, 12. 01. 1915. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2018). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6458, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.6458.


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Dr. ANTON BETTELHEIM WIEN 12.1.1915
XIX., Karl Ludwigsstrasse 57
(VILLA GABILLON)

Verehrtester Herr Hofrat!

Es war mir lieb, daß Sie meiner Anregung beistimmten und die Mittheilung Ihres edler Gesinnung enstammenden, den Kern treffenden Streitgedichtes1 an die Öffentlichkeit für richtig hielten. Ich habe schon gestern das Blatt an den Haupt-Redacteur der Sonntags-Beilage der Voss. Zg. Professor Alfred Klaar2 geschickt. Sobald es kommt, werd‘ ich nicht versäumen, Ihnen einen Abdruck zu widmen.

Im Augenblick, nachdem ich diese Zeilen geschrieben, bringt mir die Post Ihre Karte mit der Frage nach Morf: ich weiß aus |2| seiner eigenen Mittheilung nur, daß außer der allgemeinen Flétrissure durch die Ac. fr.3 „mittlerweile über ihn ein besonderer Bann-Fluch in einem offenen Brief des Temps vom 23. Oktober ergangen“4 ist. Ich hätte das Blatt gern gesehen; hier ist aber weder in der Univ. Bibl., noch bei Gerold5 irgendein französisches Tage- oder Wochenblatt zu erreichen.

Martin Brussot kenne ich nicht; ebenso wenig seinen Artikel im Lit, Echo.6

Verehrungsvoll
A. Bett


1An die Portugiesen. Deutscher Neujahrsgruß 1915“ beginnt: „Einst flogen Eure stolzen Galeonen“ und endet „Dann lernt aus deutschem Sterben deutsche Art“.

2 Alfred Klaar (eig. Aaron Karpeles; 1848-1927), einflussreicher Theater- und Kunstkritiker, Gegenspieler von Alfred Kerr.

3 Académie française

4 Pierre Mille, „ A. M. Morf, professeur de philologie romane à Berlin “, Le Temps (23. Oktober 1915).

5 Carl Gerold, Traditions-Buchhandlung in Wien. Schuchardt hatte bei ihm mehrere Publikationen in Kommission gegeben.

6 Martin Brussot, „ Vom spanischen Drama “, Das literarische Echo 18, H. 4 (Oktober 1915-Oktober 1916), Sp. 201-208: Das spanische kastilische Drama sei außerhalb der gelbroten Grenzpfähle kaum bekannt, weil es zu einseitig sei: „Es sieht, erlebt, gestaltet und deduziert aus dem Gesichtswinkel des Hispaniers, wodurch seine Ideen und Darstellungen, seien sie auch noch so tiefgründig entwickelt, unfehlbar einseitig geraten“ (Sp. 201). Brussot (1881-1968), in Budapest geboren, später in Wien, war ein österr. Romanist, Literaturkritiker, Übersetzer und Folklorist, vgl. Kürschners deutscher Literaturkalender 1917, Sp. 209.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 00991)