Georg Hirth an Hugo Schuchardt (08-04762)

von Georg Hirth

an Hugo Schuchardt

Unterbuchberg

19. 08. 1911

language Deutsch

Schlagwörter: Geburtstag Dankschreiben Credner, Karl Hermann Gotha München

Zitiervorschlag: Georg Hirth an Hugo Schuchardt (08-04762). Unterbuchberg, 19. 08. 1911. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2018). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6434, abgerufen am 17. 04. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.6434.


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Unterbuchberg, Post Gmund a. Tegernsee
19.VIII.11.

Lieber alter Freund!

Empfange meinen herzlichsten Dank für die lieben Zeilen, die mir große Freude bereitet haben. Alte Bilder sind vor meiner Seele aufgestiegen. Gotha – Kreuzgang des Gymn. Ill. – unsre Lehrer, unsre Eltern – eine ganz andre Welt, mit der wir „Ausgewanderten“ doch nur noch durch einen Gemütsfaden zusammenhängen. Oder bist Du öfter in der Heimath gewesen? Hast Du |2| noch Verwandte in G.? Ich habe eine einzige Schwester dort, die Wittwe des Oberpfarrers Buddéus früher in Zella.1 Habe die Absicht, mit Frau und Kindern (ich bin zum zweiten Male sehr glücklich verheirathet,2 stehe aber gut mit m. ersten Familie) der Heimath noch einen Abschiedsbesuch zu machen, will aber warten bis das neue Hôtel fertig ist, das auf dem Platze der Limonadière erbaut wird.3 Außer Dir haben mir aus Gotha noch Ad. Glenk, Hermann Credner (der Geolog) und E. A. Müller (der Volkswirth und Spezialkommissär) geschrieben.4 Habe Dank, lieber Hugo! Kömmst Du einmal nach München, besuche mich doch!

Dein alter getreuer
Dr. Georg Hirth.

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Ueberwältigt von der Masse und Wärme des Wohlwollens, das mir zu meinem 70. Geburtstag5 seitens meiner Mitbürger, Freunde und Gönner zuteil geworden, bitte ich einstweilen mit diesem gedruckten Generaldank vorlieb nehmen zu wollen, bis es mir nach und nach verstattet sein wird, einem Jeden ins Auge zu schauen und dankbar die Hand zu drücken.

Von brieflichen Danksagungen bitte ich mich entbinden zu wollen, da ich an einer Art von psychischem Schreibkrampf leide, der mich verhindert die Temperatur meiner Gefühle vollkommen zum Ausdruck zu bringen.


1 Theobald Buddeus (1816-1903), Oberpfarrer der Kirchengemeinde Zella St. Blasii.

2 Hirth heiratete in 2. Ehe Theodora Angerbauer aus Traunstein, Tochter des dortigen Posthalters. Aus erster Ehe hatte er 3 Söhne und 1 Tochter, aus zweiter 2 Söhne und 2 Töchter.

3 Das Schloßhotel entstand an der Stelle des 1810 erbauten „Erfrischungshauses“, das auch Limonadière genannt wurde und den Platz des Siebleber Stadttores einnahm. Es war bis 1939 in Betrieb. Heute ist dort die Gothaer Stadtverwaltung untergebracht.

4 Zum 70. Geburtstag, s. die folgende Anmerkung. Es handelt sich bei Glenk und Müller um ehemalige Klassenkameraden.

5 13. Juli 1911.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04762)