Robert Oppenheim an Hugo Schuchardt (16-08405)

von Robert Oppenheim

an Hugo Schuchardt

Berlin

26. 11. 1885

language Deutsch

Schlagwörter: Verlagsbuchhandlung Leuschner & Lubensky Brinton, Daniel Garrison Schuchardt, Hugo (1884)

Zitiervorschlag: Robert Oppenheim an Hugo Schuchardt (16-08405). Berlin, 26. 11. 1885. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2018). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6411, abgerufen am 31. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.6411.


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ROBERT OPPENHEIM
25. Matthäikirchstrasse 25.
Berlin, W., den 26t Novbr 1885.
Herrn Prof. Dr H. Schuchardt: Graz.

Hochgeehrter Herr,

Lassen Sie mich Ihnen zunächst verbindlichen Dank sagen für die freundlichst mir gewährte Nachricht rücksichtlich der über alle Gebühr verzögerten Herstellung Ihrer kleinen Schrift.

Mir war die Geduld längst ausgegangen als sich endlich der Drucker veranlaßt fand mir den Sachverhalt aufzuklären.1 Er besaß also von der von mir gewählten Schrift nicht genügenden Vorrath und statt mir dies einfach mitzutheilen, worauf ich Ihrer Zustimmung sicher, eine ganz ähnliche Schrift gewählt hätte, macht er sich unnöthige Mühe und Unkosten [und] bestellt Vorrath des Schriftzeuges von der Gießerei läßt Sie und mich warten und schützt seinen Bau als Hinderungsgrund vor, statt uns reinen Wein einzuschenken –

Nun dergl wird nicht wieder vorkommen, denn ich habe der Druckerei den Auftrag gegeben bei |2| ähnlichen Vorfällen stets sogleich die nöthigen Mittheilungen zu machen und alles glatt und klar ohne Rückhalt zu erledigen –

Natürlich schreibe ich nach Eingang Ihrer letzen werthen Zuschrift sogleich wegen der verschiedenen Systemen entnommenen Ziffern und hoffe sehr daß das noch zu ändern ist, ob auch hierbei Mangel eingetreten, ich weiß es nicht, es scheint blos wirklich als wenn in der sonst sehr besonnen und gut geführten auch reichlich ausgestatteten Druckerei, die Leute zeitweilig den Kopf verloren haben durch eilige Weihnachtsaufträge, Neubau, Aufstellen neuer Maschinen und was weiß ich –

Der Preis war sobald ich sah daß 2 ½ Bogen nicht überschritten würden, schon auf ℳ 0,80 ₰ angesetzt –

Eine Aufstellung über den Absatz Ihrer Schrift will ich zwar anfertigen lassen, doch wird sich endgiltiges darüber erst wohl nach der Ostermesse 1887 ergeben,2 denn zur nächsten O. M. dürften die Handlungen die unverkauft auf Lager befindlichen Ex lieber disponiren (d.h. in Commission |3| behalten) als sie zurückschicken, da sie ja bis dahin nur wenige Monate für den Vertrieb ihnen zu Gebote standen. Aber auch nach der O. M. 86 d.h. etwa Anfang Juli könnte ich Ihnen schon eine vorläufige Aufstellung geben und bitte, sollte ich z. Z. nicht daran denken, mich nur gfl daran zu erinnern.

Ich sehe daß Leuschner & Lubensky Ihre Preis gekrönte Schrift3 im Buchhändler Börsenblatt anzeigen und bedauern sehr Sie nicht gebeten zu haben mir den Vertrieb der für den Handel bestimmten Ex zu übertragen. Nun vielleicht ein ander Mal. An dem für Sie so erfreulichen Erfolg des Werkes auch jenseits des Meeres nehme ich aufrichtigen Antheil.

Freiex an Hn Brinton4 versende ich samt den übrigen.

In vorzüglicher Hochachtung

Ihr ganz ergebener

Robert Oppenheim


1 C. H. Schulze & Co. in Gräfenhainichen. Vgl. Brief 08403.

2 Vom 17. Jdt. bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges war Leipzig der zentrale Messeplatz für die Buch-Branche, nachdem sich die wichtigsten und größten Verlage dort angesiedelt hatten. Die Messen fanden im allgemeinen zweimal jährlich, an Ostern und im Herbst, gewöhnlich 14 Tage vor Martini (27. Oktober) statt.

3 Schuchardt, Dem Herrn Franz von Miklosich zum 20. November 1883. Slawo-deutsches und Slawo-italienisches. Graz: Leuschner & Lubensky, 1884. – Albert Leuschner und Theodor Lubensky hatten im August 1826 die K. K. Universitäts-Buchhandlung in Graz begründet.

4 Daniel Garrison Brinton (1837-1899), Sprachwissenschaftler; vgl. HSA, 01375-01382.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 08405)