Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (372-206)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

28. 06. 1920

language Deutsch

Schlagwörter: Revue internationale des études basques Romanistik Anglistik Dialektologie Zeitschrift für romanische Philologie Urquijo Ybarra, Julio de Eys, Willem Jan van Vinson, Julien Leizarraga, Joanes Bonaparte, Louis Lucien Pau Göttingen Saint-Jean-de-Luz

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (372-206). Graz, 28. 06. 1920. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6051, abgerufen am 03. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.6051.


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Graz, 28.6.’20

Lieber Freund

Eben erhalte ich Ihren, wie immer, auch inhaltlich sehr willkommenen Brief, und beantworte ihn noch in derselben Viertelstunde, damit ich es nicht zu lange aufschieben muß. Ich leide jetzt, wie allsommerlich – wenigstens in der Gewitterperiode – an dem bewußten Kopfdruck und komme mit den Dingen, die mir am Herzen liegen, fast gar nicht vorwärts. Zudem habe ich eine bestimmte Sache, wenn nur irgend möglich, bis zum Beginn der Sommerferien (nicht der meinigen, sondern der von andern) zu erledigen.

Mit der RB scheint es auch langsam |2| vorwärts zu gehen. Urquijos Hauptaufenthalt wird jetzt wohl zu Pau sein, und das wird ihn allerdings wenig geneigt oder befähigt machen, sich für den Sprachatlas tätig zu interessieren.

Die drei Dinge die Sie Ihrem Brief beilegen, nehmen mein Interesse in hohem Maße in Anspruch. Zunächst der Grabstein für W.J. van Eys, der also – was ich nicht wußte – in San Remo selbst bestattet worden ist. Vinson ist einfach komisch; wie schade daß Leiçarraga nicht mehr lebt, mit dem könnte er sich wegen des „usage abusif“ von ra auseinandersetzen. Ich habe sicher noch keinen SA von meinem Artikel über Vinsons „Syntaxe“, auch das Mskr. nicht und kann mich deshalb über folgendes nicht näher äußern. Über eine von Vinson früher angeführte Verbalform habe ich gesagt, sie sei mir verwunderlich o.ä., |3| das ist sie mir auch jedenfalls noch in dem Zusammenhang, in dem sie bei Vinson vorkommt. Daß sie aber tatsächlich existiert, dessen belehrt mich ein deutscher Student der Romanistik und der Chemie (!), früher auch der Anglistik (in Göttingen), der jetzt in seinem elterlichen Haus zu Zumarraga (Guipúzcoa) weilt und sich durch die Lektüre meines Artikels angeregt, mit Eifer dem Studium der ihm anscheinend noch gut vertrauten baskischen Muttermundart (? das Mutter ist von mir, ich vermute daß seine Mutter eine Baskin ist, sein Vatername ist Baehr) widmet. Mit 12 Jahren hat er das väterliche Haus verlassen. Ich habe Urquijo über den merkwürdigen Fall unterrichtet.

Ihren sehr wichtigen Beitrag zur Dialektologie des Prinzen B. habe ich natürlich noch nicht lesen können, bin aber doch schon auf die Fortsetzung gespannt. Wie gesagt, werde ich auch in den nächsten Wochen voraussichtlich mich mit Baskischem nicht beschäftigen.

|4| Endlich Ihr neuer Beleg: eldengatzen ist mir sehr erfreulich; aber da Hiribarren aus St. Jean-de-Luz war, so könnte man dort nach dem Verbleib des Verbs fragen. Ich schicke Ihnen einstweilen meinen kleinen Artikel über endelgatu usw. – er ist in 1. Korr., ich habe keine Zeit ihn zu korrigieren. Die SA müssen demnächst eintreffen; auch das Heft der Z. für rom. Ph. ist noch nicht ausgegeben.

Eine neue Frage, die auf einer Anfrage eines mit Tiernamen beschäftigten Freundes beruht. Ist astoaren arima Schmetterling gut beglaubigt? Ich antworte ja und finde noch astoluma in gleicher Bed. Wissen Sie etwas dazu zu bemerken? Man hat irgend einen Seelenwanderungsmythos dahinter vermutet!

Entschuldigen Sie; ich habe in großer Eile schreiben müssen.

Mit herzlichem Gruß

Ihr erg.

H. Schuchardt

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