Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (364-198)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

06. 02. 1920

language Deutsch

Schlagwörter: Literaturblatt für germanische und romanische Philologie Deutsche morgenländische Gesellschaftlanguage Portugiesischbasierte Kreolsprachenlanguage Berberischlanguage Iberisch Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Dalgado, Sebastião Rodolfo Laoust, Émile Saroïhandy, Jean-Joseph Bonaparte, Louis Lucien Urquijo Ybarra, Julio de

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (364-198). Graz, 06. 02. 1920. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.6043, abgerufen am 28. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.6043.


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Graz, 6.2.’20

Lieber Freund

Verzeihen Sie daß ich Ihnen so lange nicht geschrieben habe. Außer meiner Greisengebrechlichkeit waren daran wissenschaftliche Angelegenheiten schuld. Ich erhielt die letzten Schriften von Azkue, die über das portugiesische Kreolisch von Dalgado, die sehr umfangreichen über das Marokkanische Berberisch von Laoust, und habe |2| von allen Anzeigen abgefaßt und abgeschickt (von den beiden ersten Gruppen an das Ltbl. f. germ. u. rom. Phil., von der letzten an die Ztschr. d. deutschen morgenl. Ges.). Gestern kamen mir die letzten fünf Hefte des Butlletí dedialectologia catalana zu; ich habe kurz mit ein paar Worten über die Herkunft des Namens Andorra quittiert – er scheint mir iberisch zu sein. Saroïhandys liebenswürdigen Brief habe ich, wenn auch nur kurz (doch mit Beifügung meines gewünschten Bildnisses), beantwortet: eine ganze Menge anderer Briefe habe ich noch zu schreiben. |3| Ich danke Ihnen vielmals für die beiden sehr netten Bände von Lopez Mendizabal, sowohl wie für die wenn auch vergeblichen Bemühungen um die letzten Bogen von Ithurry; den Schluß dieser Grammatik werde ich wohl nicht erleben, mache also, wie man hier sagt, ein Kreuz darüber.

Mit dem Studium der Bonaparteschen Karte bin ich noch nicht weitergekommen; die Polygone haben offenbar im Original verschiedene Färbung; und was bedeutet denn das Weiße innerhalb der großen? Z.B. [Zeichnung]  |4|Die Ortsnamen kann ich allerdings nicht einmal mit der Lupe lesen; aber darauf kommt es nicht an. Wenn ich die schon lange größtenteils in Reinschrift daliegende Studie über die Sprechweise von Sara zum Abschluß bringen werde, soll auch die Karte gründlich vorgenommen werden.

Ich schreibe nun sofort auch an Urquijo, dem ich ebenfalls einen Brief schulde.

Bei Andorra ist mir eingefallen: wie ist der Name Ihres sehr beklagten Vetters Andurain zu deuten? Ist es dasselbe wie Andrein Ort im C[ant]on de Sauve[te]rre? Jedenfalls ist mir das u dunkel – oder wenn man an andura, Attich1, denken wollte, das -ain.

Mit herzlichem Gruß

Ihr getreuer
H. Schuchardt


1 Zwergholunder.

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