Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (157-04156)

von Gustav Gröber

an Hugo Schuchardt

Straßburg

07. 11. 1910

language Deutsch

Schlagwörter: Zeitschrift für romanische Philologie Max Niemeyer Verlag Hoepffner, Ernst Hillen, Ursula (1993) Schuchardt, Hugo (1911) Höpfner, Ernst (1912)

Zitiervorschlag: Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (157-04156). Straßburg, 07. 11. 1910. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5974, abgerufen am 05. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.5974.


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Postkarte1
[Poststempel: STRASSBURG (ELS) RUPRECHTSAU 7-11-10]

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Lieber Freund!

Der neue Aufsatz über den „Nasaleinschub“2 kann jedenfalls an Stelle der Abhandlung über den „Zürgelbaum“ treten, wenn die in der Druckerei befindlichen Manuskripte für Heft I des neuen Jahrgangs nicht schon den verfügbaren Raum in Anspruch nehmen, was jedoch wahrscheinlich nicht der Fall sein wird. Ich könnte daher Ihr Manuskript der Druckerei zugehen lassen. – Ich kann Ihnen nicht mehr selbst schreiben, da auch mein linkes Auge in der Sehfähigkeit beschränkt worden ist. Ich habe deshalb Dr. Hoepffner3 in Übereinstimmung mit Niemeyer ersuchen müssen mich in der Redaktion zu unterstützen bzw. zu vertreten. Ob ein Redaktionswechsel schon in nächster Zeit nötig sein wird, weiß ich noch nicht bestimmt, habe es aber zu befürchten. Mögen Sie sich weiterhin der Arbeitsfähigkeit der letzten Monate erfreuen, deren auch Sie verlustig zu gehen fürchteten.

Mit bestem Gruß

Ihr

G. Gröber
R. 7 Nov. 1910


1 Dieses letzte erhaltende Stück der Korrespondenz Gröbers mit Schuchardt ist wieder von Elisabeth Gröber geschrieben. Gustav Gröber ist am 6.11.1911 in Ruprechtsau verstorben. Am 15.8. schreibt seine Frau an Philipp August Becker über ihren Mann: „Er leidet wohl keine Schmerzen, ist aber im übrigen traurig daran. Es ist nur noch ein Vegetieren. Nichts berührt ihn sonderlich, da sein Geist wie von einem Schleier bedeckt ist“ (ed Hillen, Brief CLIII, 390). Das erste Heft des Jahrgangs 1911 der ZrP wurde bereits von Gröbers Schüler Ernst Hoepffner betreut, auch wenn Gröber noch auf der Titelseite steht.

2 Schuchardt, „Zum Nasaleinschub“, ZrP XXXV, 1911, 71-92.

3 Ernst Hoepffner (1879-1956), elsässischer Herkunft, 1906 von Gröber habilitiert, wurde er 1911 nach Jena berufen, das er 1919 verließ, um eine Professur im jetzt wieder französischen Straßburg zu übernehmen, was mit dem Verzicht auf die Herausgabe der ZrP verbunden war. Die Korrespondenz Ernst Hoepffners mit Schuchardt umfasst zwar 24 Stücke (1 Brief, 23 Postkarten), muss aber trotz dieses Umfangs als relativ nichtssagend bezeichnet werden. Hoepffner schreibt in seiner Eigenschaft als Herausgeber der ZrP und bestätigt Schuchardt mit stereotypen Floskeln den Eingang seiner Manuskripte und / oder das voraussichtliche Datum ihrer Drucklegung. Aus Hoepffners Feder stammt dann auch der rühmende Nachruf auf Gröber in ZrP XXXVI, 1912, I-IV Der Nachfolger seines Lehrers weist darauf hin, dass auch Max Niemeyer kurz zuvor am 17.6.1911 verstorben sei. Man vgl. damit Gröbers vierseitigen „Prospect“ im Eröffnungsband der ZrP von 1877, um zu ermessen, welch bedeutende Arbeit als Herausgeber er in den 34 Jahren seiner Herausgeberschaft geleistet hatte.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04156)