Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (122-04126)

von Gustav Gröber

an Hugo Schuchardt

Straßburg

05. 07. 1903

language Deutsch

Schlagwörter: Société amicale Gaston Paris Universität Pavia Paris, Gaston Savi-Lopez, Paolo Wolf, Michaela (1993) Schuchardt, Hugo (1903) Schuchardt, Hugo (1903) Schuchardt, Hugo (1903) Schuchardt, Hugo (1910) Schuchardt, Hugo (1904) Grojean, Oscar (1903) Bähler, Ursula (2004)

Zitiervorschlag: Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (122-04126). Straßburg, 05. 07. 1903. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5939, abgerufen am 05. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.5939.


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Straßburg i/E. 5./7.1903.1

Lieber Freund.

Vielen Dank für die beiden Zeitschriftbeiträge, die ich in XXVII, 5 beide noch unterzubringen hoffe.2 – Anbei Ihre Mss. zu den während Ihrer Reise erschienenen Artikeln, nebst meiner ersten Corr. (einen Abdruck der zweiten habe ich, glaube ich, z. Z. nach Graz geschickt). Danach habe ich S. 110 Z. 3 šušterna übersehen; bei 109 Z. 24 nov. ist der Punkt für – gehalten worden (vgl. Ms, S. 6 Z. 2); 109, 7 steht so im Ms.; bei S. 108 Z. 30 giorno war das Ms. nicht deutlich genug; 109 Z. 37 war in erster Correctur richtig gesetzt, also nachträglicher Fehler in der 2. Correctur.3 – Gefreut habe ich mich in Ihrem Artikel zu Nigra zu lesen, daß auch Sie das Wörterbuch mit Abbildungen fordern, wofür ich, aus andern Gründen, im „Grdß“ I 216 eingetreten war;4 die französ. der Art von Larousse u. a. sind unzulänglich.5

Einen Artikel über G. Paris hätte ich gern in der Ztschr. gebracht, und zwar einen, der G. P.‘s Stelllung in den romanischen Studien der letzten 40 Jahre genauer bestimmt und das wechselseitige |2| Geben und Empfangen, das sich hierbei unter den beteiligten Ländern in erfreulichster Weise herausbildete, klargelegt hätte. Hoffentlich geben Sie den Plan, G. P.‘s Arbeiten zu würdigen, nicht auf; neben den nekrologischen, notwendig allgemein gehaltenen Artikeln über ihn, ist es nicht entbehrlich (auch Grojeans 16 Seiten in der Revue de Belgique, April 1903, reichen bei weitem nicht aus).6 Über die Société amicale G. P. wurde ich benachrichtigt;7 mir schien, es handele sich nur um eine vorläufige Institution, weil man sich über eine endgültige Einrichtung nicht schon hätte einigen können, durch die die mit GParis verknüpften Traditionen aufrecht erhalten werden könnten; ich würde sie auch gesicherter wünschen, als es durch die Société geschehen kann. – Savj-Lopez8 wurde in Pest, nach 3wöchentlichem Aufenthalt, schwer krank, wurde wegen angegriffener Lunge nach dem Süden geschickt und von Florenz zur Concurrenz für Catania aufgefordert; er beteiligte sich, es schien ihm ein Rettungsanker; er wurde Sieger und verbrachte danach 2½ Monate bei seiner Mutter krank in Neapel. Ich glaube nicht, dass er anders handeln konnte. Leider ist die Karte hier zu Ende; –

herzlichen Gruß von Ihrem
GGröber.


1 Von Wolf, Nachlaß, 198 fälschlich als 5.7.1905 gelesen und daher falsch eingeordnet.

2 Schuchardt, „Zur Methodik der Wortgeschichte“, ZrP XXVII, 1903, 609-615 (Einsendedatum 27.6.1903); Ders., „Lat. cisterna (zu Ztschr. XXVII, 106)“, ebd., 623-624 (gleicher Eingangsvermerk); dieser Beitrag ergänzt Schuchardts Ausführungen zu gisterra, cisterna, giustijerne usw. im gleichen Heft, vgl. dazu die folgende Anm.

3 Hier handelt es sich um den Beitrag „Lat. cisterna“, ebd., 107-110.

4 Vgl. Lfd.Nr. 119-04119; weiterhin Schuchardt, „Berichtigung von R. Meringer, Germanisch-Romanische Monatsschrift 1, S. 596]“, GRM 2, 1910, 368.

5 Costantino Nigra (1828-1907) war vor seiner Pensionierung ital. Botschafter in Wien. Hier ist gem. Schuchardt, „Zur Methodik der Wortgeschichte (zu Zeitschr. XXVIII,102f.)“, ZrP XXVIII, 1904, 316-325. Der Artikel beginnt spöttisch: „Nun da Graf Nigra nicht mehr genötigt ist den Geschicken der Völker eine berufsmäßige Beachtung und Beteiligung zu widmen, vertieft er sich mit gesteigerter Ergründungslust und -kraft in die Geschichte der Wörter. Wie aber kein Diplomat in allem die Zustimmung aller zu erwarten hat, so auch kein Etymologist“. Zu den Abb. heißt es S.324 „In demselben Hefte in welchem ich mich gegen die Autorität anderer zu wehren und zu verwahren habe, spricht Nigra die Hoffnung aus, ich würde mit meiner Autorität die Kollegen und Herausgeber davon überzeugen wie wichtig Abbildungen für den Sprachforscher sind; ich denke, leichter wird durch Nigras Autorität Größeres vorbereitet werden können, was allerdings das Kleinere keineswegs überflüssig machen soll. Hinter dem Bildatlas erblicke ich das Museum. Sprachforscher die wie ich ihre Wissenschaft als einen Zweig der Völkerkunde, freilich den wichtigsten betrachten, finden sich durch den Besuch ethnographischer Museen in ganz eigentümlicher Weise angeregt und erleuchtet“.

6 Oscar Grojean, „Gaston Paris“, Revue de Belgique XXXVII, 1903, 294-306.

7 Die Société wurde bereits am 28.6.1903 gegründet und gab einige Jahre lang ein eigenes Bulletin heraus; vgl. Ursula Bähler, Gaston Paris et la philologie romane, Genf 2004, 151.

8 Paolo Savj-Lopez (1876-1919), 1900-1902 Italienisch-Lektor in Straßburg, wurde auf Betreiben Gröbers und Philipp-August Beckers nach (Buda-)Pest berufen, lehnte den Ruf aber ab und wurde nach Catania, danach nach Pavia geholt.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04126)