Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (117-04117)
von Gustav Gröber
an Hugo Schuchardt
25. 02. 1901
Deutsch
Schlagwörter: Thomas, Antoine Paris, Gaston Darmesteter, Arsène Schuchardt, Hugo (1901) Darmesteter, Arsène/Hatzfeld, Adolphe (1890–1900)
Zitiervorschlag: Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (117-04117). Straßburg, 25. 02. 1901. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5934, abgerufen am 17. 01. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5934.
[Ovaler Stempel: Prof. Dr. Gröber Universitätsplatz 8 Strassburg i. E.]
Straßburg i/E. den 25.2.1901
Lieber Freund.
Den kleinen Anhang zu Ihrem Beitrag zu Ztsch. 25, 21 habe ich sofort in die Druckerei geschickt. Die Correctur darf ich wohl selbst besorgen – das Heft trägt als Ausgabetermin 1. März und könnte wohl zu diesem Termin nicht mehr erscheinen, wenn die Correctur noch über Graz ginge.
Es spricht wenig für A. Th’s Urteilskraft,2 wenn er sich in der Angelegenheit mit Ihnen auf G. Paris‘ Autorität beruft. Noch weniger verstehe ich, daß G. P. diese Berufung gelten läßt, wo er so oft sich fehlbar bekannt u. durch andere hat berichtigen lassen. Aber um so weniger verstehe ich auch, daß Ihnen dadurch die romanistische Arbeit dadurch verleitet [gem. verleidet?] sein soll. Sie schreiben doch nicht blos für G. Paris und haben doch wahrlich keinen Grund, den Streit- |2| haehnen die Sache noch dadurch bequemer zu machen, daß Sie sie gewähren lassen, wo sie sich der Einseitigkeit in die Arme werfen. Finden Sie nicht auch, daß A. Th. es mit der Fzös. Etymologie u. der Begründung seiner (oder Darmesteters) Herleitungen frzös. Wörter recht leicht gemacht u. daß er zu besorgen hat, bei den Grundsätzen, die er Ihnen gegenüber vertritt, vielfältigen Irrens geziehen zu werden?3 Seine Lautlehre am Ende des Diction. gén., wahrscheinlich noch Darmesteters Werk,4 da ja doch darauf durch die Ziffern seit dem Druck des 1. Heftes des Dict. Gén. (1890) verwiesen wird, hat mich beim Nachschlagen fast regelmäßig im Stich gelassen, so daß ich meinen Zuhörern Vorsicht bei der scheinbaren Lösung lautgeschichtlicher Probleme durch die neue frz. Sprachgeschichte anempfehlen mußte, die übrigens keinen einzigen Mitarbeiter auf diesem Gebiete nennt, gleich als ob Herr Thomas oder |3| Herr Darmsteter alles allein gefunden hätten.
Ich hoffe, Sie schwören um dieses nichtigen Vorfalls die Romanistik nicht ab, da es sich auch darum handelt, diese selbst nicht zu schädigen.
Mit herzl. Gruß
Ihr
GGröber.
1 Schuchardt, „Franz. caillou } lat. coclaca (vgl. Rom. XXIX, 438 ff.) – Über Laut- und Bedeutungswandel (vgl. Rom. XXIX, 583 f.)“, ZrP XXV, 1901, 244-256, zu Thomas und Gaston Paris bes. 252-253.
2 Vermutlich hatte Antoine Schuchardt auch geschrieben; das HSA weist allerdings für das Jahr 1901 nur Briefe von ihm vom 18.3. und 7.12. auf.
4 Dictionnaire général de la langue française du commencement du XVIIe siècle jusqu’à nos jous par Adolphe Hatzfeld et Arsène Darmesteter. Avec le concours de M. Antoine Thomas, Paris 1890-1900.
