Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (033-04032)

von Gustav Gröber

an Hugo Schuchardt

Breslau

15. 02. 1879

language Deutsch

Schlagwörter: Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen (Brugmann & Osthoff) Vokalismus Diphthongierung (Lautwandel) Zeitschrift für romanische Philologie Diezstiftung Brugmann, Karl Friedrich Christian Osthoff, Hermann Hübner, Ernst Wilhelm Emil Hasdeu, Bogdan Petriceicu (1878) Schuchardt, Hugo (1878) Osthoff, Hermann/Brugmann, Karl (Hrsg.) (1878)

Zitiervorschlag: Gustav Gröber an Hugo Schuchardt (033-04032). Breslau, 15. 02. 1879. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5847, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.5847.


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Breslau, 15. Febr. 1879.

Verehrtester Herr College.

Besten Dank für die mir freundl. gesandte Einleitung zu Hasdeus Limba românăvorb[ită],1 in Bezug auf die ich, im Falle einer Anzeige derselben in der Zeitschr., nach Ihren Andeutungen verfahren werde. Ebenso werde ich zusehn, ob sich aus Ihrer Bemerkung über frz. -oue eine Notiz für die Zeitschr. wird machen lassen.2 Da Bruckmanns und Osth.’s Morph. Untersuchungen3 in der Zeitschr. besprochen werden sollen, ließe sich auch bei diesen Gelegenheiten Ihre Mittheilung verwerthen. Die Erklärung von -oue unter dem Einfluß des Labials paßt auch zu pour, sowie vous, époux, die hier doch auch zu berücksichtigen sind; nicht aber ohne Weitres auch zu nous, jaloux, tout. labour neben labeur erklärt Scheler aus labour-er; labeur spräche gegen Sie, desgl. humeur, saveur u. einige andre. Ich werde mir die Sache noch überlegen und sehen, ob sie sich in Ihrem Sinne entscheiden läßt; die schnellfertige Auffassung Osthoffs fällt entschieden mit Ihren Einwendungen.

Sollte auf Hübner,4 der ja sonst eine sehr verbindliche Art haben soll, nicht die Angelegenheit der Diezstiftung und die Stimmung der Berl. Academie gegen Sie eingewirkt haben? Die Correspondenzen im Interesse der Zeitschr. haben mich über mir vordem unglaubliche Dinge aufgeklärt; – das würde mir nicht das Wunderbarste scheinen. Nein die Reise in Spanien kann Ihnen dadurch nicht vergällt sein, – nochmals meine besten Wünsche für dieselbe.

Mit herzlichen Grüßen

Ihr ergebenster

GGröber.


1 Bogdan Petriceicu Hasdeu / Hugo Schuchardt (Mitarb.), Publicatiuni istorico-filologice: texturi si glosse Romane intre 1550–1600. Teil: T. 1: Limba Românǎ vorbita īntre 1550-1600 : studiŭ paleografico-linguistic, Bukarest 1878. – Im HSA ist ein Nachdruck aus dem Jahr 1883 wiedergegeben, der die alte Zählung (S. II-XLIV) durch 444-476 ersetzt.

2 Nicht nachgewiesen, aber vgl. Schuchardt, „[Rez. von:] L. Havet, La prononciation de ie en français“, ZrP 2, 1878, 187-188 (hier geht es auch um rom. ei und ou. Vgl. auch den folgenden Brief).

3 Hermann Osthoff / Karl Brugmann, Morphologische Untersuchungen auf dem Gebiete der indogermanischen Sprachen, Teil 1-6, Leipzig 1878-1890. Keine Besprechung in der ZrP nachgewiesen.

4 Ernst Wilhelm Hübner (1834-1901), Klass. Philologe, vgl. seine Korrespondenz mit Schuchardt, bes. Bibl.Nr. 04894. Worum es hier im Einzelnen geht, konnte nicht geklärt werden.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04032)