Friedrich Müller an Hugo Schuchardt (14-07585)
von Friedrich Müller
an Hugo Schuchardt
02. 05. 1897
Deutsch
Schlagwörter: Paläographie Publikationsversand Handschriftenerwerb Volksmusik Gesundheit Publikationsanfrage Mittheilungen aus Justus Perthes’ Geographischer Anstalt
Georgisch Meyer, Gustav Kirste, Johann Tiflis Wolf, Michaela (1993) Schuchardt, Hugo (1897)
Zitiervorschlag: Friedrich Müller an Hugo Schuchardt (14-07585). Wien, 02. 05. 1897. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5764, abgerufen am 09. 10. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5764.
Wien 2t Mai 18971
Verehrter Freund und College,
Zunächst meinen herzlichsten Dank für die Abhandlung,2 die ich mit größtem Interesse studiert habe. Aber – o weh! Die Landkarte am Ende war auf dem Umschlag der Sendung angepickt,3 so daß sie als ich den Streifband öffnete, zerrissen wurde. Haben Sie etwa ein überflüssiges Exemplar desselben?
Die georgische Handschrift hat mir der Besitzer, als er erfuhr |2| daß ich Werth auf dieselbe legte, geschenkt. Sie ist also jetzt mein Eigenthum. Wir werden im Mai darüber sprechen.
Die beiden georgisch redenden Armenier stammen aus Tiflis. Ich erfuhr durch einen in Wien lebenden Armenier (Correspondent mehrerer armen. und georg. …blätter [?]4) daß diese Herren (der eine von ihnen heißt Galošian) georgische Volksklieder besitzen. Darauf animirte ich sie diese Volkslieder zu publiciren |3| und zwar in unserer Zeitschrift. Ich habe vor, Ihnen des Manuscript mitzutheilen, damit
Mittwoch den 5t d. M. werde ich der Akademie eine Abhandlung über den Ursprung der gruzischen Schrift vorlegen.5 Ich hoffe dieselbe wird Ihnen gefallen.
Daß Meyer rückenmarklädirt ist, habe ich von mehreren Seiten erfahren. Dann wird er es ohnedies nicht mehr lange machen6 und Kirste kann der Zukunft ruhig entgegensehen. Schade daß M. ein so schlechtes Andenken hinterlassen wird!
|4|Mit den herzlichsten Grüßen
Ihr treu ergebener
FMüller
1 Von Wolff, Hugo Schuchardt Nachlaß, 282 fälschlich als 22.11.1897 gelesen. Der Brief ist daher falsch eingeordnet.
2 Schuchardt, „Zur Geographie und Statistik der kharthwelischen (südkaukasischen) Sprachen (mit Karte)“, Petermanns Geogr. Mitt. 1897,49-59, 80-86, 119-127.
3 Es handelt sich um eine vom Verlag Justus Perthes in Gotha hergestellte Karte, welche den östlichen Teil des Schwarzen Meers und die daran stoßenden Provinzen zeigt. Schuchardt vermerkt dazu, er könne für diese Karte keine Verantwortung übernehmen, da sie ihm nur „in unfertigem Zustand zu eiligster Durchsicht“ vorgelegt worden sei (S. 24; die Seitenzahlen des Sonderdrucks weichen offenbar von dem der Zeitschrift ab).
4 Man würde „Zeitschriften“, „Journale“, „Wochenblätter“ oder etwas ähnliches erwarten, da es in Wien seit den Türkenkriegen eine ansehnliche armenische Gemeinde gebildet hatte; so kam seit 1887 das Organ der armenischen Sprachwissenschaften Handes Amsorya in Wien heraus.
5 Müller, „ Ueber den Ursprung der gruzinischen Schrift “, Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 137, 1, 1898.
6 Meyer musste zwar 1897 seinen Dienst quittieren, lebte aber noch bis zum 28.8.1900 und überlebte Müller damit um zwei Jahre.
