Friedrich Kluge an Hugo Schuchardt (50-05625)
von Friedrich Kluge
an Hugo Schuchardt
05. 08. 1916
Deutsch
Schlagwörter: Erster Weltkrieg 70. Geburtstag
Mittellatein
Zitiervorschlag: Friedrich Kluge an Hugo Schuchardt (50-05625). Freiburg im Breisgau, 05. 08. 1916. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5651, abgerufen am 16. 07. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5651.
Verehrtester Herr Kollege!
Im Beginn unserer Sommerferien möchte ich mich gern wieder einmal nach Ihrem Befinden erkunden. Die Schwere der Zeit wird auch Sie wohl drücken, und auch Sie werden Verluste rechts und links zu beklagen haben. Es sind schwere Zeiten geworden. Ein Trost ist die Arbeit. Ich arbeite fortgesetzt an meinem Mittellatein, u. habe dabei überall mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen. Die vielen Rechtsausdrücke sind mir sehr unbequem, wie mich z.B. das mithium der Lex Salica sehr quält, weil es weder germanisch noch romanisch bezeugt scheint.1 Hat sich übrigens Stalzer, der die Reichenauer Glossen herausgegeben hat,2 gar nicht weiter mit derartigen |2| Problemen abgequält? In einigen Tagen wird auch Paul in München 70 Jahre alt,3 so vergehen die Zeiten.
Mit den besten Wünschen grüßt Sie herzlichst in treuer Verehrung
Ihr
Kluge
1 Hinreichende Auskünfte hätte Kluge beziehen können aus Ernst Hermann, Noch ein Wort über Mithio. Eine rechtsgeschichtliche Studie, Leipzig 1890 .
2 Josef Stalzer, Die Reichenauer Glossen der Handschrift Karlsruhe 115, Wien 1906.
3 Hermann Paul (1846-1921), Germanist in München, wurde am 7. August 1916 70 Jahre alt.
