Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (214-128)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

26. 02. 1912

language Deutsch

Schlagwörter: Mitteilungen der anthropologischen Gesellschaft in Wien Urquijo Ybarra, Julio de Aranzadi y Unamuno, Telesforo de

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (214-128). Graz, 26. 02. 1912. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5379, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.5379.


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Graz, 26.2.12

Sehr geehrter Herr und Freund,

Also es wird nun alles am Schnürchen gehen? Herzlichst freue ich mich darüber, und hoffe an der Arbeit tätigen Anteil zu nehmen. Freilich treten bei mir schon die Frühlingswehen ein die dann bis zum Herbst fortzudauern pflegen. Wie es also mit Lukas XV und mit „Bask. Stud. II“ werden wird, kann ich mit einiger Bestimmtheit nicht sagen.

|2| Was Marthas Entdeckung anlangt, so gehört sie ihm, wie es scheint nicht allein. Eben lese ich die vernichtende Besprechung eines bei H. Champion (!) 1911 erschienenen Buches von B. Carra de Vaux, La langue étrusque, sa place parmi les langues. Der Verfasser bemüht sich schon seit längerer Zeit die Verwandtschaft des Etruskischen mit den uralaltaischen Sprachen nachzuweisen. Daß man Martha mit Aufmerksamkeit angehört hat, tut nur die außerordentliche Höflichkeit der Akademiker dar, nicht die Güte seiner Argumente.

Meinen besondern Dank für den vielgestaltigen Donner  und Blitz. Vielleicht ergibt sich |3| mir daraus eine oder die andere Etymologie. Es wird doch nicht zu lange mehr dauern bis dieses Verzeichnis in der Revue erscheint? Wie Sie sagen, es muß jetzt im Sturmschritt mit der Revue vorwärtsgehen. De Urquijo scheint mit mir einverstanden zu sein daß die Verfasser ihre Artikel selbst und allein korrigieren, wie das bei uns üblich ist. Freilich wird dabei vorausgesetzt daß in der Druckerei selbst ein Korrektor ist der die erste gröbste Arbeit besorgt. Besteht diese Einrichtung auch in Frankreich? Natürlich würde bei deutschen Artikeln eine besondere Behandlung nötig sein; aber diese seitens des Verfassers, der möglichst kalligraphisch schriebe und dem Setzer |4| seine Arbeit in jeder Weise erleichterte.

Sie kennen doch wohl Aranzadis Artikel über baskische und badische Kegelkugeln (in Petermanns Mitteilungen)? Ich habe ihm meinen vor einem Dutzend Jahren erschienenen Aufsatz (in den Mitt. der Anthr. Ges. zu Wien) geschickt wo schon die Verbreitung der mit Löchern versehenen Kugeln betont worden war.

Bestens grüßend

Ihr erg.

H. Sch.

Ich danke zwar für die Berichtigung von moisette zu noisette; ich hatte sie aber selbst schon vorgenommen; der Ihnen gesandte Bogen war 2. Korrektur „unkorrigiert“.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 128)