Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (186-113)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

24. 12. 1911

language Deutsch

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (186-113). Graz, 24. 12. 1911. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5351, abgerufen am 02. 04. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5351.


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Graz 24. Dez.’11

Sehr geehrter Herr und Freund,

Gestern war ich so abgespannt und mutlos daß mir das Lesen der Korrekturen wie eine Herkulesarbeit erschien. Heute geht es mir wieder besser und ich habe die Sache mit möglichster Sorgfalt erledigt. Aber noch beim zweiten Durchlesen habe ich im Deutschen – für die eigene Sprache ist man ja in linguistischen Texten manchmal geradezu blind – verschiedene grobe Fehler entdeckt. Ich möchte Sie nun höflichst ersuchen die Revision zu übernehmen und dann das Imprimatur zu erteilen; mit dieser Anweisung werde ich morgen früh die Korrekturen an die Druckerei senden.

Wie ich Ihnen schon sagte, verstehen die Setzer zum Teil meine Zeichen nicht. Um einen größeren Zwischenraum zwischen den Worten anzudeuten, schreibe ich ʃ, Sie wie es scheint #. Das letztere gilt bei uns zur Tilgung des Zwischenraumsabdrucks, der „Ausschließung“ (enfin | les). Es wäre mir sehr erwünscht ein Blatt oder ein Heft zu|2| bekommen wo die Korrekturzeichen nach französischem System angegeben wären. Für spätere Fälle.

Vieles ist nicht berücksichtigt worden; ich habe dann, wie es meine Gewohnheit ist, ein !! an den Rand gesetzt. Ich habe den Eindruck daß in den Setzereien das Minima non curat praetor herrscht. Z.B. gibt es dort Typen, welche eigentlich è, à sind; aber man hat den Akzent unvollkommen weggefeilt, und so ist daraus ė, ȧ geworden; so S. 8 (Oihenart) Bėre ėguitėa; S. 4,7.5 (Leiz.) beçȧanbȧat ich habe das beanstandet, aber ohne Erfolg. Oder schadhafte Typen (s.z.B. on auf derselben Seite) werden trotz Mahnung nicht ersetzt, usw. Über die ſ habe ich Ihnen schon geklagt; ich weiß nicht, ob ich sie den doch ebenfalls vorkommenden ʃ gleich erachten soll (wie z.B. in ʃorcura S. 8, Z. 6) oder für schadhafte f. Diese Buchstaben bitte ich unter Ihre besondere Obhut zu nehmen. Daß nur nicht neue Druckfehler entstehen (wie in Leiz. I); Ihre Korrektur |3| im Titel Zu den Sprichwörtern O. war ganz deutlich und ist falsch ausgeführt worden (-tren).

Ich bedauere Ihnen Mühe zu verursachen; aber ohne Ihre Vermittelung geht es doch nicht. Übrigens, möchte ich auch der Redaktion Kosten ersparen. Für meine Separata wären keine besondern Umschläge notwendig. Übrigens verstehe ich diese Dinge nicht recht. Das Heft ist doch schon geraume Zeit erschienen; wird denn der Satz nicht sofort abgebrochen? – man benötigt doch die Typen.

Mein emainzqui haben Sie doch erhalten?

Mit herzl. Gruß

Ihr erg.

H.Schuchardt

|4| 26 Dez.

Erst jetzt komme ich dazu, die Korrekturen nach Mâcon zurückzusenden. Gestern war es mir, wegen des hohen Feiertags, nicht möglich, das einzige zeitweilig offene Postamt war eine halbe Stunde von meiner Wohnung entfernt. – Wenn mir so viel an Ihrer Revision liegt und ich überhaupt wünsche daß diese deutschen Artikel möglichst gut herauskommen, so haben Sie darin keineswegs nur eine eigennützige Pedanterie zu erblicken. Da Ihre Revue mir einmal diese außerordentliche Gastfreundschaft erweist (wofür ich ihr auch persönlich sehr dankbar bin), so gereicht es ihr zum Nutzen und zur Ehre, daß diese Beiträge so gedruckt werden wie sie auch in einer deutschen Zeitschrift nicht besser gedruckt sein könnten. Es ist das ja mit Leizarr. I – trotz des fatalen hächst für höchst - wirklich der Fall.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 113)