Wilhelm Hein an Hugo Schuchardt (05-04508)

von Wilhelm Hein

an Hugo Schuchardt

Floridsdorf

18. 11. 1900

language Deutsch

Schlagwörter: Ethnologie, Anthropologie, Volkskunde Zeichnung Musée d’Ethnographie du Trocadéro (Paris) Sichel Materielle Sammlung Anthropologische Gesellschaft in Wienlanguage Französischbasierte Kreolsprache (Martinique) Guimet, Émile Yamasaki, Naokata Schuchardt, Hugo (1901)

Zitiervorschlag: Wilhelm Hein an Hugo Schuchardt (05-04508). Floridsdorf, 18. 11. 1900. Hrsg. von Elisabeth Egger und Susanne Oberpeilsteiner (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5154, abgerufen am 26. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5154.

Printedition: Egger, Elisabeth; Oberpeilsteiner, Susanne (2016): "Ich werde mir erlauben, Ihnen am Montag, den 5. d. M., um 10 Uhr Vormittags mit meiner Frau einen Besuch zu machen und Ihnen dann die Pariser Sichel zu überreichen". Die Korrespondenz von Wilhelm und Marie Hein mit Hugo Schuchardt. In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 85., S. 57-130.


|1|

Floridsdorf, 18. Nov. 1900.

[Zeichnung] Schneide

Klinge aus Eisen; am Ende in einen Ring ausgeschmiedet.

Eisenring

aus Holz gedrechselt

Couteau à pain arqué. Pont l‘abbé (Finisterre). Bretagne.1 Musée d’Ethnographie, Trocadéro, Paris. Inv.-Nr. 21.888. (Von "Miss. Landrin".)2

[Zeichnung] Eisen

Holz

Todtensichel von Deir el-Bahara. Paris, Musée Guimet. Place d’Iena.

Auskunft ertheilt M. É. Guimet,3 Director des Museums.

[Rechts daneben vertikal] Ich weiss leider sonst nichts über diese "Todtensichel".

Hochverehrter Herr Hofrath!

Anbei sende ich zwei Sichelzeichnungen. Ich möchte Sie übrigens auf die grosse Petermandl’sche Messersammlung in Steyr4 aufmerksam machen, die sicher sehr interessante Sichelmesser enthält. Für den Brief danke ich; ich werde sehen, was ich machen kann; auf jeden Fall werde ich mit Dr. Yam. [sic]5 sprechen.

In ausgezeichneter Hochachtung

Ihr treu ergebener

W. Hein

|2|

1 Diese Skizze einer "bretonischen Brotsichel" veröffentlichte Schuchardt mit Danksagung an Wilhelm Hein in seinem Beitrag "Sichel und Säge; Sichel und Dolch I-II" im Globus (Schuchardt 1901a: 183, Abb. 2).

2 Armand Landrin (1844-1912), geboren in Versailles, war Ethnologe und Konservator am Musée d'ethnographie in Paris (vgl. o.A. o.J.a ).

3 Émile Guimet (1836-1918), Industrieller, Kunstsammler, Mäzen, übernahm 1860 die Direktion des Familienunternehmens, das in der Farben- und Aluminiumproduktion tätig war. Während einer Ägyptenreise 1865 bis 1866 begann er, sich für Religionen und antike Kunst zu interessieren und zu sammeln. Da die Präsentation seiner Sammlungen in einem eigenen Museum in Lyon nicht den gewünschten Erfolg hatte, schenkte er diese dem französischen Staat, der daraufhin in einen Museumsneubau in Paris investierte. Das Musée Guimet wurde 1889 eröffnet und Guimet dessen Direktor auf Lebenszeit. Unter seiner Ägide wurden die Zeitschrift La Revue de l’histoire des religions und die Reihe Annales du musée Guimet gegründet (vgl. Macouin o.J. ). Guimet wurde in der Jahresversammlung der AG vom 12. März 1901 zum Ehrenmitglied ernannt, das er bis zu seinem Tod blieb ( Sitzungsberichte 1901: [23]; Sitzungsberichte 1918: [32]).

4 Anton Petermandl (1820-1900), Beamter und Sammler, war bei der k.k. Provinzial-Staatsbuchhaltung in Salzburg und ab 1869 als Buchhalter und Verwalter in verschiedenen kirchlichen Institutionen der Stadt tätig. Nebenbei widmete er sich als Sammler seiner Passion für Messer. Im Jahr 1882 wurde Petermandl als Kustos an die k.k. Fachschule und Versuchsanstalt für Eisen- und Stahlindustrie in Steyr berufen und seine 1.252 Exemplare zählende Sammlung vom Staat angekauft. Petermandl vermehrte die Sammlung stetig, so dass sie 1898 auf 4.047 Stück angewachsen war (vgl. Grieshofer 2003: 10; Lutz 1978: 443; Reischek 1900: 222-223; Katalog 1895-1898).

5 Naokata (Naomasa) Yamasaki (1870-1929), Geologe, Geograph, studierte von 1892 bis 1895 Geologie an der Kaiserlichen Universität Tokio. Nach einigen Jahren Tätigkeit als Geologielehrer an einer Sekundarschule erhielt Yamasaki 1898 ein Stipendium der japanischen Regierung, um in Europa Geographie zu studieren. Sein Aufenthalt führte ihn 1899 zuerst nach Bonn zu Johannes Justus Rein (Universitätsarchiv Bonn, PVSV, Immatrikulationsalbum, SS 1899: 59). Ab dem Wintersemester 1900/01 bis inklusive Wintersemester 1901/02 war er an der Wiener Universität inskribiert und besuchte geologische, geographische und meteorologische Lehrveranstaltungen, aber auch eine Vorlesung bei Wilhelm Hein im Sommersemester 1901 (Archiv der Universität Wien, Nationalien der Philosophischen Fakultät [Mikrofilm], 1900/01 L-Z Signatur 191 bis 1901/02 S-Z Signatur 200). Nach seiner Rückkehr nach Japan war Yamasaki zuerst als Geographieprofessor in der Ausbildung von Sekundarlehrern tätig, bis er 1911 auf die Lehrkanzel für Geographie an der Fakultät für Naturwissenschaften der Kaiserlichen Universität Tokio berufen wurde. 1919 wurde er Vorsitzender des neu gegründeten Instituts für Geographie. Yamasaki gilt als Begründer der wissenschaftlichen Geographie in Japan (vgl. Tsujita 1977 ; Ogawa 1931 ). Die Korrespondenz von Yamasaki an Schuchardt (B 12917-B 12919) wurde bereits veröffentlicht ( Egger/Oberpeilsteiner 2015c ).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04508)