Hugo Schuchardt an Michael Haberlandt (11-OEMV_1921_Z214)

von Hugo Schuchardt

an Michael Haberlandt

Graz

25. 03. 1921

language Deutsch

Schlagwörter: Todesfälle Korrespondenzbeilagen Kontaktvermittlung Materialsendung (kartographisch) Volkskundemuseum Wien Dialektologie und Sprachgeographie Baskologie Universität Wien Universität Grazlanguage Baskisch Pöch-Schürer, Hella Pöch, Rudolf Pöch, Georg Urquijo Ybarra, Julio de Hurch, Bernhard (2009) Hurch, Bernhard/Kerejeta, Maria Jose (1997)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Michael Haberlandt (11-OEMV_1921_Z214). Graz, 25. 03. 1921. Hrsg. von Elisabeth Egger und Kathrin Pallestrang (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5148, abgerufen am 04. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5148.


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Graz, 25.3.21
erledigt 30.III.21. H. Pöch1

Lieber Herr Kollege,

Vor einiger Zeit hörte ich von dem unerwarteten Tod des Prof. R. Pöch, und fühlte mich, obwohl ich ihn persönlich kaum kannte, von aufrichtigster Teilnahme erfüllt. Der Trauerfall wurde mir indirekt bestätigt durch beifolgende Karte.2 Ich ersuche Sie höflichst an der betreffenden Stelle die nötige Aufklärung zu geben.

Die baskische Dialektkarte, |2| um die es sich allein handeln kann – doch wäre eine genauere Bezeichnung angezeigt gewesen – wurde mir vor einigen Monaten von dem Neffen des Verstorbenen, Herrn stud.med. G. Pöch3 überbracht, damit ich sie als Vertreter des Eigentümers Herrn J. de Urquijo4 diesem übermittle. Letzteres geschah, zugleich mit Ihrem und Prof. Pöchs Gesuch um Belassung der Karte beim a.-e. Institut. Nach einiger Zeit schrieb mir de Urquijo, er habe diesem Gesuch Folge geleistet und er setzte hinzu: "mit Berücks|3|ichtigung Ihrer Verdienste um die baskischen Studien", und teile gleichzeitig das Prof. Pöch mit. Ich verständigte diesen davon und bald darauf erschien wiederum Herr G. Pöch bei mir und nahm die Karte in Empfang. Bei seinem ersten Besuch hatte ich ihm auf sein Verlangen einen Entlehnungsschein des Instituts ausgefüllt, was ich insofern nicht korrekt fand, als es sich doch nicht um Entlehnung, sondern um eine Zurückstellung handelte. Bei seinem zweiten Besuch hätte nun ich meinerseits eine Bescheinigung |4| beanspruchen können; aber ich meinte man würde mir sofort den "Entlehnungsschein" zurücksenden oder kurzerhand den Empfang der Karte anzeigen.

Aber es geschah nichts und vereh. Herr de Urquijo erhielt – wie er mir vor kurzem schrieb – weder Dank noch Mitteilung von dem Empfang der Karte.

Hätten Sie die Güte mich über den Sachverhalt zu unterrichten?

Mit besten Wünschen für den Erfolg Ihrer baskischen Ausstellung und herzl. Ostergruß

Ihr ergebener

H.Schuchardt


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Diese Zeile wurde von Hella Pöch, Witwe von Rudolf Pöch, eingefügt. Michael Haberlandt übergab ihr den Brief Hugo Schuchardts zur Bearbeitung, sie vermerkte am 30. März handschriftlich die Erledigung, da sie am selben Tag einen Brief in Angelegenheit der baskischen Dialektkarte an Schuchardt geschrieben hatte. Hella Pöch bestätigte darin, dass sich die Dialektkarte im anthropologisch-ethnographischen Institut der Universität Wien befindet und erwähnte, dass ihr Mann Rudolf Pöch einen Brief an Julio Urquijo geschrieben und sich für das Überlassen der Karte bedankt hatte.

Hella (Helene) Pöch, geborene Schürer von Waldheim (1893-1976), Anthropologin, war von 1919 bis 1921 Assistentin am Institut für Ethnographie und Anthropologie der Universität Wien, von 1922 bis 1924 übte sie ihre Lehrtätigkeit ehrenamtlich aus. Sie verfolgte in ihren Forschungen einen rassenkundlichen und erbbiologischen Ansatz. 1924 heiratete sie Rudolf Pöchs Neffen Georg Pöch. Durch Arbeiten zur "Rassenkunde der Juden" baute sie sich gute Beziehungen zum "Rassenpolitischen Amt der NSDAP" auf und war in der NS-Ära als "Rassegutachterin" tätig. (vgl. Fuchs 2002 : 587-589). Für eine ausführliche Biographie siehe Egger/Operpeilsteiner (2015) .

2 Diese Karte ist im Archiv des Volkskundemuseums Wien nicht vorhanden.

3 Georg Pöch (1895-1970), Mediziner, war der Sohn von Rudolf Pöchs Bruder Josef Pöch (vgl. Universitätsarchiv Graz, Medizinische Fakultät, Nationale WS 1919/20). Er studierte an der Universität Graz Medizin und promovierte 1921 zum Doktor der gesamten Heilkunde (vgl. Universitätsarchiv Graz, Medizinische Fakultät, Promotionsprotokoll Bd. XI, Nr. 145). In den 1920er Jahren baute Pöch im Auftrag des Commonwealth Fund das Kindergesundheitswesen in Salzburg auf. Am 26.12.1924 heiratete er Helene Schürer-Pöch, die Witwe seines Onkels Rudolf Pöch. Ab 1940 war Pöch beim Reichsstatthalter Salzburg als Leiter der Unterabteilung IIIa (Gesundheitswesen und Leibesübungen) und des Dezernates IIa/2 tätig und für "Erb- und Rassenpflege" zuständig (vgl. Salzburger Landesarchiv, Personalakt Georg Pöch; Hofinger 2012 ). Im Nachlass Schuchardts befindet sich im Bestand 2.7. Visitenkarten eine Visitenkarte von med. Georg Pöch mit dem Zeichen der Studentenverbindung Akademischer Turnverein Graz, gegründet 1864 (vgl. Akademischer Turnverein Graz o.J.). Für eine ausführliche Biographie siehe Egger/Oberpeilsteiner (2015) .

4 Julio de Urquijo e Ybarra (1871-1950) stammte aus einem wohlhabenden baskischen Geschlecht und war in jungen Jahren auf Seite der klerikal-konservativen Karlisten politisch aktiv. Während seines zeitweiligen Rückzugs ins Privatleben widmete er sich fast ausschließlich baskologischen Studien und Initiativen, die er auch maßgeblich finanziell unterstützte (vgl. Hurch 2009a: 11-12). Die insgsamt 518 Stück umfassende Korrespondenz zwischen Urquijo und Schuchardt, mit dem ihn eine persönliche Freundschaft verband, erstreckte sich von 1906 bis 1926 (Hurch/Kerejeta 1997).

Von diesem Korrespondenzstück ist derzeit keine digitale Reproduktion verfügbar.