Michael Haberlandt an Hugo Schuchardt (02-04297)

von Michael Haberlandt

an Hugo Schuchardt

Wien

26. 04. 1905

language Deutsch

Schlagwörter: Dankschreiben Publikationsversand Volkskundemuseum Wien Rezension Publikationsvorhaben Sachwortforschung Haspel Garnwindelanguage Ido Schuchardt, Hugo (1905) Haberlandt, Michael (1905)

Zitiervorschlag: Michael Haberlandt an Hugo Schuchardt (02-04297). Wien, 26. 04. 1905. Hrsg. von Elisabeth Egger und Kathrin Pallestrang (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5139, abgerufen am 04. 03. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.5139.

Printedition: Egger, Elisabeth; Pallestrang, Kathrin (2016): Affinités entre romanistes : lettres de Camille Chabaneau à Hugo Schuchardt. In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 85., S. 25-56. http://unipub.uni-graz.at/gls/periodical/pageview/1572464.


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Wien, am 26. IV. 1905.

Hochverehrter Herr Hofrat!

Ich habe Ihnen für einen hohen Genuß und für eine gütige Überraschung zu danken. Ihre herrliche Gratulationsschrift an Adolf Mussafia1 mit ihrem reichen Inhalt, von dem ich freilich erst ein wenig vorweg naschen konnte und von deßen Grosszügigkeit im Allgemeinen und feinstem Filigran im Einzelnen ich erst die Ahnung empfangen habe,- kam mir gestern zu und |2| hat mir tiefen Eindruck gemacht. Das ist ein edelstes Humanistenwerk; ein wundersames Echo aus großer menschlicher Zeit in das helle kritische Licht unserer Tage hinein, ein Kunstwerk nicht minder als eine wißenschaftliche Meisterarbeit.- Zu Haspel und Winde und ihren Formen hoffe ich aus unserm Museum in einer Anzeige Ihrer Schrift noch einige kleine Nachträge aus slawischem, speziell polnischem Gebiet bringen zu können.-2 Sehr gerührt und zu innigem Dank ver= |3| pflichtet hat mich auch Ihre so liebenswürdige Nennung meiner so überaus bescheidenen Mithilfe und unseres Museums;3 es ist eine Aneiferung mehr, die Typensammlungen desselben weiter und feiner auszubauen, und ich will mich bemühen von Ihrer methodischen Gründlichkeit für unser Museum zu lernen und Gewinn zu ziehen.

In aufrichtigster Ehrerbietung

und herzlichster Dankbarkeit

hochverehrter Herr Hofrath

Ihr ergebenster

MHaberlandt


1  Gemeint ist Schuchardt, Hugo (1905). Hugo Schuchardt an Adolf Mussafia. Graz: Leuschner & Lubensky.

2 Haberlandt lobt in seiner Rezension der Festschrift (Haberlandt M. 1905) den über das romanische Sprachgebiet hinausgehenden, vergleichenden Ansatz Schuchardts und führt als Vergleichsbeispiele für Haspeln mit gekreuzten Querhölzern Haspeln aus Monfalcone (ÖMV/2.949) und Istebna (ÖMV/5.017), für eine untergriffige Handhaspel einen "Garndreher" aus Istebna (ÖMV/5.018) sowie für eine gabelförmige Handhaspel ein Exemplar aus der Umgebung von Ragusa (ÖMV/3.936) an.

3 Schuchardt dankt Michael Haberlandt mit den Worten "Ich verzeichne nun mit lebhaftem Danke die Namen der Personen welche mir Verwendbares geliefert haben, Auskünfte oder Abbildungen oder Modelle oder Originale. […] Ich nenne ferner Dr. M. HABERLANDT, Vorstand des Museums für österreichische Volkskunde, welches er im Laufe von nun zehn Jahren zu hoher Blüte gebracht […]" (Schuchardt 1905: 6-7, [Kapitälchen im Original]).

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04297)