Karl Luick an Hugo Schuchardt (33-06698)

von Karl Luick

an Hugo Schuchardt

Wien

20. 04. 1912

language Deutsch

Schlagwörter: Meyer-Lübke, Wilhelm Ettmayer, Karl von Schrötter, Hugo Cornu, Julius Pogatscher, Alois

Zitiervorschlag: Karl Luick an Hugo Schuchardt (33-06698). Wien, 20. 04. 1912. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.5071, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.5071.


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Wien 19/1 Gatterburgg. 6
20.IV 1912

Verehrter Freund,

Verzeihe, dass ich in Folge allerhand anderer Korrespondenz zum Teil sehr unerfreulicher Art erst später zu der Auskunftserteilung komme, die Du von mir wünschst. Ich habe mit Meyer-Lübke gesprochen und zur Sicherheit die betreffenden Stellen Deines Briefes (nämlich diejenigen, in welchen Du Dein Verhalten in der E.-Angelegenheit darlegst) wörtlich vorgelesen. Ich bin auch ermächtigt, die Äusserungen M.L.‘s zu übermitteln. Sie giengen in die Richtung, die ich erwartet hatte. Die Korrektheit käme gar nicht in Frage; er fände aber Dein |2| Verhalten nicht ganz konsequent. Da Du einmal zu Anfang einen Schritt getan hattest, welcher in E. die grössten Hoffnungen erregen musste (Deine ausdrückliche Bitte an Schrötter, ihm Deine Äusserung mitzuteilen) bedeute Deine spätere kühle Korrektheit nach seiner Meinung eine gewisse Inkonsequenz. Du warst bezüglich der letzten Schrift E.’s nicht ganz derselben Meinung wie Cornu, wie Du selbst sagst; aber in Folge Deiner Zurückhaltung glaubte alle Welt, auch die nächsten Grazer Kollegen, Du seiest einer Meinung mit ihm. [Dass dies der Fall war, hat mir eben Pogatscher bestätigt] Dass E. dies Verhalten sehr schmerzlich empfunden hat, sei |3| begreiflich.

So weit Meyer-Lübke. Nun hast Du mich zwar um meine Meinung nicht gefragt, sondern mir eigentlich bloss sozusagen die Rolle des Briefträgers zugewiesen. Aber ich kann die Bemerkung nicht unterdrücken, dass ich M.-L.‘s Ansicht beipflichten muss, obwohl ich in ganz anderen Beziehungen zu Dir stehe wie er und meine Verehrung für Dich derjenigen eines Schülers zu seinem Lehrer gleicht.

Inzwischen habe ich von Pogatscher zwei Briefe bekommen, aus denen ich zu meinem Bedauern ersehe, dass Du ihm gegenüber eine Wendung meines Briefes in einer Weise umformuliert hast, die zu viel besagt. Ich möchte Dich bitten, meinen Brief noch einmal vorzunehmen. Ich habe |4| nicht behauptet, von Pogatscher erfahren zu haben, dass Du E. hättest ,fallen lassen‘, sondern nur dass Du bezüglich der letzten Schrift E.‘s mit Cornu einer Meinung seiest – was, wie sich jetzt herausstellt, ein Irrtum war. Dass aber Pogatscher damals tatsächlich diese Vorstellung hatte, giebt er mir in einem gestern eingelangten Briefe zu – wenigstens muss ich seine etwas vorsichtigen und allgemeinen Ausdrücke dahin verstehen.

Mit herzlichen Grüssen

Dein ergebener

K. Luick

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Nachschrift. Eben fällt mir ein, dass ja jetzt bald die Akademiesitzungen kommen, die Dich nach Wien führen. Die von Dir in mich so ehrender Weise gewünschten mündlichen Auseinandersetzungen über die am Schluss obigen Briefes gestreiften Fragen (und auch irgend welche andere) könnten da stattfinden. Ausser der Zeit meiner Vorlesungen (Mo. 5-6, Di, Do, Fr 4-6) stehe ich Dir jeder Zeit zur Verfügung, ebenso an jedem Dir passenden Ort.

Herzlich Dein ergebener
K. Luick

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 06698)