Johannes Ulrich Hubschmied an Hugo Schuchardt (09-04882)

von Johannes Ulrich Hubschmied

an Hugo Schuchardt

Küsnacht

05. 03. 1923

language Deutsch

Schlagwörter: Zeitschrift für romanische Philologie Bovet, Ernest Jud, Jakob Schuchardt, Hugo (1923)

Zitiervorschlag: Johannes Ulrich Hubschmied an Hugo Schuchardt (09-04882). Küsnacht, 05. 03. 1923. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4960, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4960.


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Hochverehrter und lieber meister,

Für die Zusendung der separata danke ich Ihnen aufs herzlichste. Sie haben mir eine sehr grosse freude damit gemacht. Ich habe sie alle noch mal gelesen, und ich bin stolz darauf, so viele schriften von ihnen zu besitzen.

Und dank auch für Ihren lieben brief. Ich bin so froh, |2| dass herr und frau Mairhuber so trefflich für ihr leibliches wohl sorgen. Grüssen Sie sie wiederum von mir.1

Von Ihrem „baskenbüchlein“2 haben Sie mir gar nichts erzählt. Ich bin überzeugt dass es ein gewichtiges büchlein wird, wenn s auch nicht den umfang der Bask. studien I haben wird.

Über die grundsätzlichen fragen in politischen dingen glaub ich verstehn wir uns |3| ausgezeichnet. Es freut mich, dass Sie die verletzung des selbstbestimmungsrechtes in den jahren 1864 und 1871 verurteilen, und ich verurteile mit Ihnen die annexion des deutschen Südtirols durch die Italiener und die gewaltmassnahmen der Franzosen im Ruhrgebiet. Wo immer die militärpartei in politischen dingen das entscheidende wort hat, kommt s schlimm heraus und gewalt geht vor recht. Gefreut hat mich der artikel Bovets im 8. Heft von Wissen und Leben, und aus- |4| gezeichnet hat mir gefallen der artikel von Max Huber im 6. Heft.3

6. märz. Ich war grad dran, Ihnen zu schreiben, als Ihre Karte kam. Ich ging am abend zu Jud um ihn zu fragen, wie sich s mit der ZfromPh. verhalte. Er hat seiner zeit Niemeyer auftrag gegeben, Ihnen den jahrgang 1922 der ZfromPh. zuzuschicken. Wenn Sie nicht alle bis jetzt erschienenen hefte bekommen haben, so liegt die |5| schuld bei Niemeyer. Wenn Jud Ihnen die Zts. zukommen lässt, so dürfen Sie das übrigens nicht als wohltätigkeit auffassen sondern als zeichen der dankbarkeit; sind doch Ihre beiträge in der Zts. das was ihr für den linguisten vor allem bleibenden wert gibt.

Die universitätsferien haben angefangen. Jud hatte die absicht, zur erholung ein paar wochen nach dem Engadin zu gehen. |6| Ob er sie ausführt, weiss ich nicht. Er kann sich von all seiner arbeit fast nicht fortreissen.

Empfangen Sie, verehrter meister, meine besten wünsche für Ihr wohlergehen und die herzlichsten grüsse von Ihrem
J. U. Hubschmied.


1 Vgl. Lfd.Nr. 07-04880.

2 Schuchardt, Primitiae linguae Vasconum: Einührung. ins Baskische, Halle a.S. 1923.

3 Ernest Bovet, „ L’aventure européenne “, Wissen und Leben 16, 1923, 388f.; Max Huber,  „ Die geschichtlichen Grundlagen des heutigen Völkerrechts “, Wissen und Leben 16, 1923, 261f.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 04882)