Johannes Ulrich Hubschmied an Hugo Schuchardt (01-04874)
von Johannes Ulrich Hubschmied
an Hugo Schuchardt
Unbekannt
25. 05. 1909
Deutsch
Zitiervorschlag: Johannes Ulrich Hubschmied an Hugo Schuchardt (01-04874). Unbekannt, 25. 05. 1909. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4952, abgerufen am 18. 04. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.4952.
Sehr geehrter herr professor,
über sasse geben auch die materialien des idiotikons nur spärliche auskunft, fehlt doch hier sogar ganz unbegreiflicher weise ein hinweis auf Stalder.1
sasse wasserschaufel ist bezeugt für Oberrieden am Zürichsee, ist ferner bei den schweiz. pontonieren laut herrn dr. Blattner2 der techn. Ausdruck für jene wasserschaufel. Verbreiteter scheint aber dafür das wort
Schapfe (od. ähnlich) zu sein:
|2|Schapfe = Gōn Th3 Steckborn
Schäpfi = Gäzzi “
Schępfi = Schöpfkelle Th Frauenfeld, Hw.
Schapfe = Schöpfgefäss in der Küche St Gallen
Schapfer m. “ “ Z Uhwiesen
Schapfen lang- oder hakenstieliges Schöpfgefäss in den Sennhütten Gr (FAnd. 1897, 490)
Schäpfi f. am Untersee = Schapfe f. Th Diess.4
Schapfe f. grosser schöpfer aus holz Sch Schleith.
Schüepfi n. jauchekelle, jaucheschöpfer ebd.
Schuepfe kelle in der hotte und in einer gondel gebraucht, ebd.
ähnl. angabe aus Th Müllheim.
Schrapfe f. = Schröpfli ZSth5
Schapfe Soloth.
|3|Schöpfer für Jauche, Schäpfi für Wasser in der Küche, Schuopfe, Schapfe zum Ausschöpfen einer haubenstande, einer läutergelte6 Th Esch.
Schapfa f., ein kleines, hölzernes Gefäss mit kurzem stiel z.B. die schaufel, das wasser aus dem schiffe zu schöpfen, frz. écope. TTobler (Ap.)
Schapfa schöpfkübel mit stiel grosser schöpflöffel, ähnl. wie Gäzzi. Gr.
„Welches einen ruder, ryemen, schöpf oder von schiffsgeschirr etwas ohne dessen, das geschirr ist, wissen und willen, entwendet, der soll gestraft werden“ 1537, JVetter 1864,34
|4|Alte belege für sasse:
„Uff das er wust der Balber [ein ,schiffman‘] einen sissen [lies: ,sassen‘], lüff damit gegen dem Jacob … schlug im damit an sin hopt, das die sass zerbrach“. 1435, ZRB.
[Kriegskostenausgaben:] umb sassen, stachelschyter, holz zum ruoderen, widen [usw.] ,1656‘, St. Gallen Gfd. 38, 188.
„Und soll ouch ein ietlicher weidmann ein sassen oder ein schlossschiff inn sinem schiff han, das er die hecht und visch lebendig behabe“. 1559, Z Greifensee
Zürich
|5|Einen Beleg aus Mal. bringt Grimm WB VIII 1804.
bayr.-österr. statt sasse:
sesse, s. Gr. WB. X, 631;
also im germ. derselbe wechsel von e und a im stamme wie im rom. (it. sessola).
Mit hochachtungsvollem grusse
Ihr
J. U. Hubschmied.
1 Hubschmied antwortet Schuchardt im Auftrag von Louis Gauchat, vgl. HSA, Lfd.Nr. 6- 03598. Vgl. dazu: Schweizerisches Idiotikon I 7, 1379-80: „1.a) schaufelartiges Werkzeug der Schiffer und Fischer zum Ausschöpfen des in den Kielraum eingedrungenen Wassers […] b) als Fischbehälter dienende Vertiefung im Schiff?“ (Stichwort „Sasse“). Der dieser Definition folgende Artikel weist zwar mehr Belege auf, verzeichnet dafür jedoch nur wenige der von Hubschmied aufgezählten Varianten. Schuchardt benötigte diese Informationen für seinen Artikel „Bret. eskop } franz. escope } niederd. *sko(p)pa } lat. scyphus + cup(p)a „Wasserschaufel", Zeitschrift für rom. Philologie 33, 1909, 641-658. Ein Hinweis auf die von Hubschmied gelieferten Belege fehlt jedoch. – Franz Joseph Stalter, Versuch eines schweizerischen Idiotikon mit etymologischen Bemerkungen untermischt, Aarau 1812, 2 Bde.
2 Hans Blattner (1886-1966), bekannter Schweizer Ingenieur in Zürich.
3 Auflösung der wichtigsten Abkürzungen: Ap (Appenzell), Gr (Graubünden), Sch (Schaffhausen), Th (Thurgau), Z (Zürich).
4 Diessenhofen.
5 Stadelhofen.
6 Nicht klar, was gemeint ist, vermutlich Kessel oder ähnliche Gefäße.
