Fritz Neumann an Hugo Schuchardt (18-07776)

von Fritz Neumann

an Hugo Schuchardt

Heidelberg

21. 12. 1896

language Deutsch

Schlagwörter: Rezension Gesundheit Universitäre Lehre Habilitation Literaturblatt für germanische und romanische Philologielanguage Englisch (Indien) Henry, Victor Baudouin de Courtenay, Jan Förster, Wendelin Meyer-Lübke, Wilhelm Schuchardt, Hugo (1897) Baudouin de Courtenay, Jan (1884) Baudouin de Courtenay, Jan (1884)

Zitiervorschlag: Fritz Neumann an Hugo Schuchardt (18-07776). Heidelberg, 21. 12. 1896. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4905, abgerufen am 06. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4905.


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L. Fr.

Besten Dank für Ihre Besprechung von Henry1; sie ist mir sehr willkommen u. ich freue mich sehr nach längerer Pause einmal wieder etwas von Ihnen bringen zu können.2 Hoffentlich machen Sie jetzt nicht wieder so große Pause. Wenn Ihre Anzeige von Courtenay3 nicht länger oder nicht viel länger ist als die von Henry, senden Sie sie mir ungeniert. – Bei uns geht’s ordentlich. Meine Frau und die 3 Kinder sind wohlauf. Auch ich bin zufrieden, wenn ich auch in den letzten Wochen durch neuralgische Gesichtsschmerzen, an denen ich schon früher zeitweise litt, ziemlich geplagt bin. Ich habe diesmal ein vortreffliches Semester. Die Frequenz an Romanisten steigerte sich in den letzten Semestern stetig, sodaß ich in diesem Semester in vulgärlat. Grammatik 40, in Interpret. des Roland 45, im Seminar (textkrit. Übungen) 37 Leute habe. Seit vorgestern habe ich (nach glänzend bestandener Habilitation) in Dr. Ed. Schneegans einen vortrefflichen Privatdozenten zur Seite erhalten.4 Zangmeister5 ist munter: wir waren in den letzten Wochen 3mal bei ihm zu musikalischen Unterhaltungen, die er arrangierte, u. bei denen meine Frau u. ich auch mitwirkten.6 – Wissen Sie, daß Förster in Cagliari sitzt um einen grässlichen Lungenkatarrh auszukurieren?7 Meyer-Lübke8 scheint den seinigen ja gottlob loszuhaben. Es wäre auch zu schade um den trefflichen Menschen gewesen.

Mit den besten Wünschen für das neue Jahr, herzlichst

Ihr

Fr. Neumann

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1Anzeige von: V. Henry, Antinomies linguistiques“, Literaturblatt für germ. u. rom. Philologie 18, 1897, 238-247.

2 Da Schuchardt zuletzt 1886 für das Literaturblatt rezensiert hatte, war der briefliche Kontakt weitgehend eingeschlafen.

3 Baudouins Antrittsvorlesung, Übersicht der slavischen Sprachenwelt im Zusammenhange mit den andern arioeuropäischen (indogermanischen) Sprachen, wurde 1884 in Leipzig im Verlag T.O.Weigel veröffentlicht [Nachdruck in Joachim Mugdan (Hrsg.), Jan Baudouin de Courtenay, Ausgewählte Werke in deutscher Sprache. München: Wilhelm Fink, 1984. 1-21]. Vgl. dazu HSA, Jan Baudouin de Courtenay, Lfd.Nr. 01-356). Eine „Anzeige“ Schuchardts ist nicht nachweisbar.

4 Friedrich Eduard Schneegans (1867-1942) aus Straßburg, Vetter des bekannteren Heinrich Schneegans, gab 1915 seine Heidelberger Professur auf und emigrierte in die Schweiz, was im nationalistisch aufgeheizten politischen Klima als Eclat gewertet wurde, vgl. Frank-Rutger Hausmann, „ Elsässische Romanistikprofessoren vor und im Ersten Weltkrieg (mit einem Anhang einschlägiger Dokumente) ”, Romanische Studien 4, 2016, 429-458 (online).

5 Karl Zangmeister (1937-1902) war Oberbibliothekar der Univ.-Bibl. Heidelberg.

6 Neumann war Sohn eines Kammermusikus und daher selber musikalisch interessiert; er war seit 1882 mit Frida Irion verheiratet (vgl. Lfd.Nr. 46-77804). Zu seinen musikalischen Interessen vgl. Dörner, La vita spezzata, 2005, 35.

7 Wendelin Foerster (1844-1915), Bonner Romanist.

8 Wilhelm Meyer-Lübke (1861-1936), Wiener Romanist.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07776)