Hugo Schuchardt an Bogdan Petriceicu Hasdeu (79-1202)

von Hugo Schuchardt

an Bogdan Petriceicu Hasdeu

Graz

21. 01. 1886

language Deutsch

Schlagwörter: language Rumänischlanguage Lateinlanguage Albanischlanguage Bulgarisch Asbóth, Oszkar Asbóth, Oszkár (1884) Schuchardt, Hugo (1886) Miklosich, Franz (1875)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Bogdan Petriceicu Hasdeu (79-1202). Graz, 21. 01. 1886. Hrsg. von Bruno Mazzoni (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4812, abgerufen am 28. 11. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.4812.


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Graz, 21 Januar 1886.

Verehrter Freund,

Schon vor zwei Monaten entdeckte ich (beim Durchlesen der Ásbóth’schen Abhandlung: Szlávság a magyar keresztény terminologiában1A. glaubt auch an die Slavicität des Wortes) die Etymologie von crăciun "Weihnachten"; es kann Nichts Anderes sein als Christi jejunium. Analoge Zusammensetzung: alb.Krşndel =Christi natalis. Jejunium ist schon im Kirchenlatein = vigilia, insbesondere nun im Rumänischen (ajun). Sie sagen für "Weihnachtsabend" mit einem verdunkelten Pleonasmus: jejunium Christi jejunii2. Halten Sie meine Etymologie für richtig, so bitte ich Sie dieselbe irgendwo demnächst "publici juris" zu machen3; ein Artikel von mir, in welchem ich sie beiläufig vorbringe, erscheint erst in Monaten4. Ich gestehe nämlich dass ich es von Bedeutung halte wenn ein solcher Ausdruck von den Rumänen zu den Slawen (zunächst zu den Bulgaren) übergegangen ist, nicht in umgekehrter Richtung, wie die übrigen kirchlichen Wörter5.

Herr Fraţila6 wird mir demnächst eine Arbeit vorlegen, und werde ich erst dann den längst gewünschten Einblick in seine wissenschaftlichen Fähigkeiten erlangen.

Mit besten Grüssen und für Sie wenigstens nicht allzuverspäteten Neujahrswünschen

Ihr ganz ergebener

Hugo Schuchardt


1 L’articolo di Ásbóth Oszkár sugli slavismi nella terminologia cristiana ungherese, apparso su « Nyelvtudományi Kőzlemények » (Budapest) XVIII (1884), pp. 321-427, è recensito dallo Schuchardt in « Literaturblatt für germanische und romanische Philologie » VII (1886), pp. 152-7 (dove alla p. 154 viene già proposto l’etimo rum.crăciunlat.christi jejunium).

2 Per la discussione di numerosi etimi proposti per rum.crăciun "Natale", cf. DER 2524 (dove si propende per lat. creationem). Va ricordato inoltre l’etimo alb. kërçú(ni) "tronc, souche, bouche", avanzato da E. Çabei: cf. Brâncuş, VA, p. 137 (e lo stesso significato ricorre in aromeno: DDA, s.v. crăčĭun).

3 V. lettera LXXXI.

4 Lo Schuchardt si riferisce qui probabilmente alla recensione all’art. di O. Ásbóth, citata supra, alla n. 1. V. però LXXX e nn. 3, 4, 5.

5 V. LXXX e n. 4. Su questo problema era stato pubblicato da F. Miklosich l’importante lavoro Die christliche Terminologie der slavischen Sprachen. Eine sprachgeschichtliche Untersuchung, « DAS » XXIV (1874), pp. 1-58 (dove alle pp. 22-4 la forma rum.crăciun è fatta derivare dal bulgaro; come d’altronde già in F. Miklosich, Die slavischen Elemente im Rumänischen, cit., p. 26 ).

6 [A.] Frăţilă: v. LXXIII, n. 1.

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