Herbert Steiner an Hugo Schuchardt (36-12259)

von Herbert Steiner

an Hugo Schuchardt

Götzis

25. 05. 1922

language Deutsch

Schlagwörter: Grazer Tagespostlanguage Italienisch Friedwagner, Matthias Zauner, Adolf Richter, Elise Hubschmied, Johannes Ulrich Urquijo Ybarra, Julio de Lacombe, Georges Riegler, Richard Urtel, Hermann Friedwagner, M. (1922) Zauner, A. (1922) Bertoni et al. (1911) Richter, Elise (1922)

Zitiervorschlag: Herbert Steiner an Hugo Schuchardt (36-12259). Götzis, 25. 05. 1922. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4684, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4684.


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Götzis 25-5-22

Hochverehrter Herr Hofrat!

Herzlichen Dank für Ihre Karte und die so gütig gesandten zwei Festartikel. Da ich eben zufällig einen zweiten Friedwagner1 erhalte, bringe ich diesen, da ich morgen früh zwei Wochen (wenn möglich für den ganzen Juni) nach Zürich gehe, Hubschmied, für den ich auch einige alte GT-Miszellen2, die ihm mindestens Vergnügen machen, im Koffer habe. Eigener Insuffizienz und der eher journalistischen Aufgabe der Anderen wohl eingedenk, bin ich doch mit Friedwagner und vor allem mit |2|Zauner3 nicht zufrieden – wie viel substantieller waren die 1912er Artikel von Cornu und Pogatscher!4Elise Richters Artikel erscheint mir viel besser – der beste der von Hubschmieds [recte: Hubschmied]5, der viel gibt und doch nicht viel voraussetzt. Ich will auch sehen, dass Urquijo ihn erhält. Von ihm wie von Lacombe hatte ich sehr freundliche Zeilen, voll von Liebe für Sie und von dem Gefühl, Ihnen tiefst verpflichtet zu sein.

Nun bin ich sehr neugierig auf Riegler und Urtel6, die ich übermorgen gleich erwischen will. |3| Ich habe gleich nach Erhalt Ihrer Karte zwei Separata als einfache Drucksache an Sie geschickt; heute liegt das dritte bei, aus altem Misstrauen gegen die Post gesondert von dem andern.

Sollte ich in Zürich etwas für Sie erfragen oder besorgen dürfen, so erreicht mich jede Post über hier.

Ein englischer Freund, vom Gardasee kommend, erzählt mir eben, wie er, des Italienischen nicht mächtig, in Tremosine einen Mann fand, der auf englischen Schiffen gedient hatte und ein kurioses Englisch sprach, |4| das mein Freund als „something like Pidgin-English“ bezeichnete, z.B. Gebrauch von „fellow“ im allgemeinsten Sinne: „ that fellow-hotel“ usw., italianisierende Endsilben: „How do you like that“. Ich wollte diesen minimen Beitrag zu allen pseudo-kreolischen Sammlungen, die Ihre kreolischen7 mit sich bringen mussten, nicht unterdrücken.

Mit herzlichen Wünschen für Ihr Ergehen grüsst Sie, hochverehrter Herr Hofrat, dankbar und ergeben,

Ihr

Herbert Steiner.


1 Matthias Friedwagner, Frankfurter Zeitung, 7.2.1922.

2 Tagespost (Graz).

3 Adolf Zauner, Tagespost (Graz) 4.2.1922.

4 Jules Cornu, in: Étrennes helvétiennes offerts à Hugo Schuchardt, Zürich 1913; Alois Pogatschers Artikel konnten nicht nachgewiesen werden.

5 Elise Richter widmete Schuchardt zum 80. Geburtstag ihr Büchlein Lautbildungskunde. Einführung in die Phonetik, Leipzig 1922; ein Geburtstagsartikel konnte nicht nachgewiesen werden; zu Hubschmied Anm. 89. Vgl. Spitzer (12.2.1922) an Schuchardt: „Von Huldigungsschriften sind mir bekannt: M. Nyelvör, Puşcariu, Arch. Rom., Ztschr., El. Richter, Friedwagner, Hubschmied, Terracini, Riegler. Andere hatten sich noch angesagt“ (ed. Hurch, 245).

6 Vgl. Anm. 7 zu Lfd. Nr. 35-12258.

7 Hier scheint ein Wort wie „Studien“, „Interessen“ o. ä. zu fehlen.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 12259)