Herbert Steiner an Hugo Schuchardt (29-11253)

von Herbert Steiner

an Hugo Schuchardt

Götzis

06. 01. 1922

language Deutsch

Schlagwörter: Neue Zürcher Zeitung Gauchat, Louis Wartburg, Walter von Bovet, Ernest Schuchardt, Hugo (1912) Schuchardt, Hugo (1914)

Zitiervorschlag: Herbert Steiner an Hugo Schuchardt (29-11253). Götzis, 06. 01. 1922. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4677, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4677.


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Götzis 6-I-22

Hochverehrter Herr Hofrat!

Hoffentlich haben Sie das Jahr gut begonnen und sind wohlauf!

Ich sende beiliegend mit herzlichem Dank und der aufrichtigen Bitte, die Verspätung zu entschuldigen, „Nubisch und Baskisch“ (Sie haben den Titel dieses Exemplars irrtümlich korrigiert) zurück, das mir als Anfang der Reihe, die bis zu „Sprachursprung“ führt, sehr wertvoll war.1

Meinen Brief mit Gauchats Artikel über die Pariser Feier2 und meinen Bericht über die |2| von Ihnen Wartburg zugedachten Separata haben Sie hoffentlich erhalten?3 Der heute beiligende Ausschnitt aus der Neuen Zürcher Ztg. interessiert Sie vielleicht, ohne Neues zu bieten.

Ich möchte noch wegen zweier Sätze im Vorbericht zur „Saramakkaneger“abhandlung fragen, auf die Gefahr hin, mich als unaufmerksamen Leser zu erweisen – sie sind mir nicht klar.4

Warum würde der Sklave (S. IV) „einer unmittelbaren Übernahme |3| ererbter Präfixe und Suffixe widerstrebt [haben]“ und „noch eher innerhalb der eigenen Sprache als in der fremden seinem ma-dale ein ma-stone nachgebildet“ haben? Mir ist das irgendwie intuitiv einleuchtend, aber nur intuitiv. Und welches ist eigentlich die „Tatsache“ (S. XXX) „die in ihrer Allgemeinheit sich aus der Sprachscheidung unmittelbar folgern lässt“?

Hoffentlich mache ich Ihnen, hochverehrter Herr Hofrat, damit nicht zu viel Mühe!

Die zwei Separata, die ich |4| noch hier habe, folgen allernächster Tage.

Eben fällt mir noch ein, dass Sie vielleicht noch nicht wissen, dass Bovet vom Lehramt zurücktritt, um Sekretär der Gesellschaft für den Völkerbund in Lausanne oder Genf zu werden.5

Mit stetem Dank und verehrungsvollen Grüssen,

Ihr ergebenster

Herbert Steiner.

Ich finde eben im Lb 1920138 als 3. Band der Arbeiten zur Entwicklungspsychologie, die Krüger herausgibt, Heinz Werner, Die Ursprünge der Metapher.6 (Sie fragten einmal nach weiteren Bänden.)


1 Die folgende Karte Schuchardts vom 9.1.1922 gibt Antwort auf die von Steiner aufgeworfenen Fragen.

2 Es handelt sich vermutlich um einen Bericht über die „Célebration du cinquantenaire de l’École Pratique des Hautes Études“, das eigentlich 1918 hätte gefeiert werden müssen, aber wegen des Kriegs verschoben wurde. Wo dieser Bericht Gauchats erschienen ist, ließ sich nicht ermitteln.

3 Der Brief fehlt in Schuchardts Nachlass.

4 „Die Sprache der Saramakkaneger in Surinam“, Verh. d. K. Akad. v. Wet. te Amsterdam, Afd. Letterkunde. Nieuwe Reeks, Deel XIV N° 6, III-XXXV, 1-121.

5 Vgl. Bovets Briefwechsel mit Schuchardt, bes. HSA, Lfd.Nr. 01300.

6 LB f. germ. u. rom. Philol.1920, H. 3./4., Sp. 138: Arbeiten zur Entwicklungspsychologie. Hrsg. v. F. Krueger, Veröffentlichungen des Forschungsinstituts für Psychologie zu Leipzig No. 4.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 11253)