Ferdinand Blumentritt an Hugo Schuchardt (058-01095)

von Ferdinand Blumentritt

an Hugo Schuchardt

Leitmeritz

16. 11. 1883

language Deutsch

Schlagwörter: Druckfehler Morphologie Programm der Oberrealschule Leitmeritz Lexikographie Diminution und Augmentation Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie: unter Mitberücksichtigung d. höheren geographischen Unterrichtslanguage Spanisch (Philippinen)language Spanischbasierte Kreolsprache (Philippinen)language Küchenspanischlanguage Tagaloglanguage Küchendeutsch Pardo de Tavera, Trinidad Hermenegildo Hugot, Cap. A.

Zitiervorschlag: Ferdinand Blumentritt an Hugo Schuchardt (058-01095). Leitmeritz, 16. 11. 1883. Hrsg. von Veronika Mattes (2013). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.455, abgerufen am 07. 12. 2022. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.455.

Printedition: Mattes, Veronika (2010): "Sa Profesor Schuchardt munting alay ni F. Blumentritt": Die Briefe Ferdinand Blumentritts an Hugo Schuchardt. In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 74., S. 63-237.


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Leitmeritz, den 16.Nov.1883

Verehrter Freund!

Jetzt habe ich mal Ihre Abhandlung1 gründlich durchgelesen. Hätte nicht gedacht, dass Sie so viel Material aufbringen könnten, am allerwenigstens hätte ich es Pardo de Tavera zugetraut, da ich fürchtete, er als hijo del país würde jene Empfindlichkeit offenbaren, wie sie mir öfter sich bei der Jagd nach dem Küchendeutsch bemerkbar machte. Sie haben mir mit dieser Sendung eine große Freude bereitet, Sie fordern mich auf, auf etwaige Druckfehler Sie aufmerksam zu machen, ich fand nichts als p. 113. Zeile 2 v. unten solecismos.

p.131 Zeile 24. v. oben: "Geld

p. 144 " 7 " " mediquillo

|2| Gestatten Sie mir noch einige Bemerkungen:

pag. 124. Anm.1.

Jetzt wo ich im Besitze der Briefe der Jesuitenmissionare des Districtes Zamboanga bin, kann ich mit um so größerer Sicherheit wiederholen, dass in jener Provinz es keine anderen Farbigen als Visayer, Tagalen (in geringerer Anzahl), Moros und Subanos gibt, Mandayas gibt es dort absolut nicht.2

zu p. 144.

Die Diminutiva gob.illo etc. sind sogar in die Amtssprache aufgenommen, dessgleichen "silanga", bantay u.n. einige andere.

zu p. 146

Ich glaube, dass die portugiesischen Elemente in jene Mundart erst in der zweiten Hälfte des XVI. u. Anfang des XVII. Jhdts. gekommen sind.3 Denn erst in d. J. 1565-1572 eroberten die Spanier die Philippinen, die anderen Expeditionen hielten sich zu kurze Zeit auf, um irgendwie die Sprache damals schon beeinflusst zu haben. Die Portugiesen kamen nur in vereinzelten Expeditionen nach Mindanao, das ja auf die Entwicklung des |3| Küchensp. erst in neuerer Zeit einen Einfluss nehmen konnten. Nach den Visayern kam wohl 1562 eine port. Expedition, es war dies aber ein Raubzug. Einzelne Portugiesen mögen wohl im Archipel sich herumgetrieben haben, es wird aber nur [ein] einziger erwähnt, jener, der die Artillerie v. Manila gegen die Spanier 1570 dirigierte. Erst nach der Etablierung der spanischen Herrschaft kamen Portugiesen in größerer Anzahl nach den Philippinen.4

Also ein Hoch Ihrer Arbeit:

cosa mabuti5 wird Pardo de Tavera ausrufen. Wenn diese Abhandlung nur in's Spanische übersetzt werden könnte, dann würden die filipinos gewiss neue Zusätze liefern.

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Mit der französischen Ausgabe6 des Vocabular's ist mir ein Unglück begegnet. Vor den Herbstmanövern schrieb mir Cap. A. Hugot7, er werde eine Reise nach der Schweiz, Tyrol u. Bayern unternehmen und dann meine "Arbeit" übersetzen, jetzt erfahre ich dass das Vocabular schon beinahe zur Gänze gedruckt ist, jene "Arbeit" bezog sich auf eine Abhdlg. über die sp. Kriegszüge nach Hinterindien, welche ich in der Zeitsch. f. wiss. Georgr.8 veröffentlicht habe. Ich hatte so viel nachzutragen u. jetzt ist alles unter den Tisch gefallen. Vielleicht gibt mir der Director Raum im Programme9, zweifle aber sehr daran.

Mit herzlichen Grüßen


Ihr treu ergebener


F. Blumentritt


1 Schuchardt (1883b).

2 Dieser Absatz wurde von Schuchardt rot markiert. Er gibt ihn in der gedruckten Version Schuchardt (1883b: 124, FN 1) wieder.

3 Schuchardt gibt dafür die erste Hälfte des 16. Jahrhunderts an ( Schuchardt 1883b: 146).

4 Dieser Absatz wurde von Schuchardt rot markiert.

5 Tag. mabuti „gut“.

6 Ferdinand Blumentritt (1884c). Vocabulaire de locutions et de mots particulières á L’Espagnol des Philippines. Traduit de L’allemand par A. Hugot.

7 Der Übersetzer von Blumentritts Vokabular ins Französische.

8 Zeitschrift für wissenschaftliche Geographie: unter Mitberücksichtigung d. höheren geographischen Unterrichts. Weimar, 1880-1891. Leider konnte nicht ausfindig gemacht werden, um welchen Aufsatz es sich dabei handelt.

9 Programm der Oberrealschule Leitmeritz.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 01095)