Hugo Schuchardt an Bogdan Petriceicu Hasdeu (39-1180)
von Hugo Schuchardt
06. 05. 1878
Deutsch
Schlagwörter: Romanische Philologie Universität Wien
Rumänisch
Latein Miklosich, Franz von
Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Bogdan Petriceicu Hasdeu (39-1180). Wien, 06. 05. 1878. Hrsg. von Bruno Mazzoni (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4496, abgerufen am 09. 06. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.4496.
Wien 6. Mai 1878
Verehrter Freund!
Hier in Wien ist mir Ihr Brief zugegangen. Ich werde Alles Mögliche zur Beschleunigung der Angelegenheit thun, mache Sie aber darauf aufmerksam, dass ich in der nächsten Zeit durch den Wiederbeginn der Vorlesungen zu sehr in Anspruch genommen bin, um wesentliche Veränderungen anzubringen.
Ich las heute Morgen die ersten Seiten des Manuskripts, welche ein Urtheil über Ihre wissenschaftliche Fähigkeit und Leistung enthalten, Mussafia vor und theilte ihm auch Ihre Bemerkungen dazu mit1. Er sagte mir, ohne dass ich ihm meine eigene Ansicht auseinandergesetzt hätte: "Streichen Sie kein Wort von alledem. Es ist das ein durchaus anerkennendes Urtheil und Hasdeu muss sich die kleine Restriction gefallen lassen. Es ist das in seinem eigenen Nutzen, denn 1) zeigt er dadurch eine Selbstlosigkeit, die einen sehr guten Eindruck machen wird, dass er in der Vorrede zu seinem eigenen Buche gerechten Erinnerungen einen Platz einräumt 2) wird jeder feindseligen Kritik, welche sich gegen Hasdeu erheben würde, dadurch die Spitze abgebrochen, dass Sie selbst in schonendster Weise einen oder den andern Mangel andeuten". Sie sehen, also auf den Nagel hat er meine eigene Ansicht getroffen. Andere urtheilen ähnlich; und ich bin fest überzeugt, Miklosich, dem ich heute Abend den Fall vortragen werde, wird keine Ausnahme bilden2. Sie müssen mich also entschuldigen, wenn ich mich nach den Stimmungen und Anschauungen desjenigen Kreises richte, an welchen sich meine Vorrede wendet, hätte ich zu Ihren Landsleuten zu reden, würde ich mich vielleicht anders benehmen. Denn wie verschieden unsere beiderseitige Auffassung ist, zeigt mir Ihre Glosse: "Ceci est blessant pour moi, sans vous servir ä rien"3. Denke ich denn überhaupt hier daran, was mir diene? Ich denke daran, was Ihnen und was der Wissenschaft dient.
Wie ich aus Ihren andern Ausführungen ersehe, wünschten Sie den grössten Theil desjenigen unterdrückt, worin ich eine von der Ihrigen abweichende Meinung äussere. Ich verstehe das nicht. Ueberlassen Sie doch das Urtheil über unsere Meinungsdifferenzen dem stimmberechtigten Publikum. Gibt es Ihnen Recht, so ist Ihr Triumph um so grösser, gibt es mir Recht, so war es gut, dass ich mich ausgesprochen habe. Ueber das Einzelne kann ich mich jetzt nicht äussern; es wird später geschehen. Mysteriös ist mir Ihre Ankündigung einer Polemik hinsichtlich von descauc, die Ihnen sehr unangenehm sein würde4. In diesem Falle thue ich doch Nichts weiter, als an Ansichten festhalten, die ich früher ausgesprochen habe.
Also, das Ergebniss ist dieses. Ich werde, sobald ich Zeit habe, das Manuskript einer erneuten sorgfältigen Prüfung unterziehen, streichen was ich mit gutem Gewissen streichen kann — Sie sagen mir, das und jenes sei nicht nothwendig, aber was ist bei einer solchen Sache überhaupt nothwendig? —, hinzufügen Alles, was sich hinzufügen lässt, ohne dass der Zusammenhang zerrissen werde — wie ich das Archiv erwähnen soll, weiss ich noch nicht recht5 —, kurz dem Ganzen die für Sie günstigste Färbung geben.
Ich bitte Sie aber dringend, mir mitzutheilen, ob Ihnen das genügen wird. Die ersten beiden inkriminirten Stellen kann ich auf keinen Fall streichen6; ich müsste sonst das ganze Urtheil über Sie, 9/10 Lob mit 1/10 Tadel streichen.
In freundschaftlichster Gesinnung
Ihr ergebenster
H. Schuchardt
1 Adolfo Mussafia (Spalato 1834 - Firenze 1905), ricopriva ormai da oltre un decennio la cattedra di filologia romanza all’ Università di Vienna.
2 V. lettera dello Schuchardt dell’indomani (XL, e n. 1).
3 Non possiamo indicare dove il Hasdeu avesse scritto la frase citata; forse a margine di una pagina della prima stesura manoscritta dell’introduzione, rispedita allo Schuchardt per correzione?
4 V. lettera XXXVIII (e n. 49).
6 Lo Schuchardt si riferisce senz’altro ai passaggi della lettera precedente del Hasdeu in cui venivano trattati rum.lunec ← lat.lubrico e rum.măduvă ← lat.medulla con i problemi fonetici connessi (v. XXXVIII e nn. 42, 43 e 44). Su tali punti tornerà infatti lo Schuchardt nella lettera datata 27 maggio 1878 ( XLIV).
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