Hugo Schuchardt an Sextil Pușcariu (13-s.n.7)

von Hugo Schuchardt

an Sextil Pușcariu

Graz

08. 05. 1911

language Deutsch

Schlagwörter: Österreichische Nationalbibliotheklanguage Rumänischlanguage Latein Schuchardt, Hugo (1886) Schuchardt, Hugo (1886) Schuchardt, Hugo (1886) Schuchardt, Hugo (1889) Mazzoni, Bruno (1983) Eismann, Wolfgang/Hurch, Bernhard (2008) Hurch, Bernhard/Melchior, Luca (2015)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Sextil Pușcariu (13-s.n.7). Graz, 08. 05. 1911. Hrsg. von Luca Melchior und Katrin Purgay (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4434, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4434.


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Sehr geehrter Herr Kollege

Empfangen Sie meinen besten Dank (mit der Bitte die Hälfte davon Herrn V. Pârvan1 zu übermitteln) für die Übersendung der beiden Schriften2 von denen ich noch keine nähere Kenntnis habe nehmen können. Nur crăciun habe ich bei P. nachgesehen; ich steife mich nicht im geringsten auf Christi jejunium3 (das ist mir eine fast unvordenkliche |2| Sache); aber calatio geht mir auch nicht ein4 (leider ist mir Papahagis5 Artikel 6 in den Conv. lit.7 nie zu Gesicht gekommen.)

Mit besten Grüßen und Wünschen (vor Allem zur Fortsetzung Ihres großen Werkes) Ihr erg
HSch.

Ich habe vor einiger Zeit zwei Exemplare von Heft VI8 erhalten, sollte etwa da eine Verwechselung mit Heft VII vorliegen? ist dieses schon erschienen.


1 Gemeint ist der rumänische Historiker Vasile Pârvan (1882-1927), vgl. vorigen Brief.

2 Es handelt sich um Pârvan (1911) sowie um Puşcariu (1911) , vgl. den vorigen Brief.

3 Schuchardt ( 1886a, 1886b, 1886c, 1889) hatte die Ableitung von rum.crăciun aus lat.Christi jejunium vorgeschlagen, was eine Polemik mit Ószkár Ásbóth (vgl. Ásbóth 1886 ) entfaltet hatte. Dazu vgl. auch die Briefe an Hasdeu vom 21.01.1886 und 07.07.1886 und dessen Antwort vom 18.07.1886 (veröffentlicht und kommentiert in Mazzoni 1983: 205-209), die zwei (noch unveröffentlichten) Briefe von Theodor Gartner aus Czernowitz vom 26.03.1886 (Briefnummer 03411) und vom 11.05.1886 (Briefnummer 03413), den Briefaustausch zum Thema mit Baudouin de Courtenay im Jahre 1886 (veröffentlicht in Eismann/Hurch 2008: 43-60) sowie den Brief von Schuchardt an Miklosich vom 13.05.1886 (Österreichische Nationalbibliothek, Nummer 138/41-16) und dessen Antwort vom 16. Mai desselben Jahres (UB Graz Nr. 07379), veröffentlicht in Hurch/Melchior (2013 [2015]: 114-115).

4 Sich auf Papahagi (1903) berufend leitete Pârvan (1911: 108) rum.crăciun 'Weihnachten' aus lat. calatio(nem) ab. Puşcariu selbst, in seinem Etymologische[n] Wörterbuch der rumänischen Sprache (Puşcariu 1905: 35 s.v.) , hatte Papahagis etymologischen Vorschlag als "[d]ie richtige Etymologie" bezeichnet; im DA I,2 (1940: 867 s.v.) wird dem etymologischen Vorschlag Papahagis viel Platz eingeräumt, jedoch wird darauf aufmerksam gemacht, dass "[d]intre toate etimologiile propuse […] nici una nu este sigură"; dazu vgl. u.a. Goicu (1999: 204-211) . Die Ableitung aus calationem wird in Puşcariu (1959: 145) nochmals angeführt.

5 Pericle Papahagi (1872-1943), rumänischer Linguist und Ethnologe, studierte, wie Puşcariu, bei Gustav Weigand in Leipzig.

6 Papahagi (1903) schlug die Ableitung crăciuncalationem, die er als regelmäßig nach Lautgesetzen betrachtete. Der Metaplasmus wird "supt influenţa luĭ Moş saŭ Moş-Ajun" (Papahagi 1903: 670) erklärt.

7 Convorbiri literare.

8 Gemeint sind Heft VI ( baba-bandoala) und VII ( bandoc-bine) des ersten Bandes des DA (1913) , die 1910 bzw. 1911 erschienen.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des: Institutul de Lingvistica in Cluj-Napoca (Sig. s.n.7)