Heinrich Morf an Hugo Schuchardt (36-07527)

von Heinrich Morf

an Hugo Schuchardt

Berlin

06. 11. 1917

language Deutsch

Schlagwörter: Sprachprobe Königlich-Preußische Akademie der Wissenschaften (Berlin) Erster Weltkrieg Politik- und Zeitgeschichte Literaturblatt für germanische und romanische Philologie Urtel, Hermann Salvioni, Carlo Dante, Alighieri (1918)

Zitiervorschlag: Heinrich Morf an Hugo Schuchardt (36-07527). Berlin, 06. 11. 1917. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4262, abgerufen am 14. 04. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.4262.


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PROF. DR. H. MORF 100 Kurfürstendamm                                                        BERLIN-HALENSEE d. 6. Nov.17.

Lieber Freund,

Eben erhalte ich Ihren Brief von Allerseelen, mit dem sich nun meine Zeilen vom 4. November kreuzen.

Gerne schreibe ich an Urtel – von dem ich indessen nicht sicher weiss, ob er zur Zeit in Stolberg oder in Schweden ist – & bitte ihn, Ihnen einige Daten über labourdische, soulische & nied.navarrische Betonung zu senden, ihn von neuem auf das fruchtbare Gebiet der baskischen Wortbetonung hinweisend. Auch sage ich ihm, dass Sie seinen Brief erhalten haben & seine Reise nach Schweden mit herzlichen Wünschen begleiten.

Auch bereite ich ihn darauf vor, dass Sie sein „Iberisches in Südfrankreich“ mit starken Zweifeln begleiten. Dass sie es im Litbl. besprechen weden, hat er von mir schon früher gehört. Ihre Ablehnung wird ihn, dem Enthusiasten, natürlich sehr schmerzlich sein & auch mir tut es leid für ihn. Da Sie Ihren Dissens |2| aber in freundschaftlicher Form kund geben, so wird er sich hoffentlich durch den ersten Misserfolg nicht abschrecken lassen, die baskischen Studien fortzusetzen, & wird hoffentlich auch unsere Akademie diesen Studien Urtels ihre Unterstützung nicht zukünftig entziehen. Das wäre auch mir schmerzlich, denn ich möchte wohl, dass Urtel weiter in den Stand gesetzt würde, diese einzige Gelegenheit ,Lebendiges Baskisch‘ eigentlich täglich zu hören & zu studieren weiterhin auszunützen und die Arbeiten auch drucken lassen zu können. Ich selbst stehe diesen Studien ja leider als völliger Laie gegenüber.

Ich bin Strohwittwer. Meine Frau ist in Frankfurt, bei Trautchen, der es doch etwas schwer fällt, nach den Fleischtöpfen Butterbröten & Milchkannen der Schweiz sich an die Kriegskost zu gewöhnen – und an die Fliegerbomben. – In Italien entwickeln sich ja nun die Dinge von selbst: Italia farà da sè1, wenn auch nicht so, wie Salvioni es sich gedacht. –

Mit den herzlichsten Grüssen & Wünschen an Sie, den duca e maestro2, von
Ihrem H. Morf


1 Losungswort des italienischen Freiheitskampfes im Jahr 1848.

2 Dante-Reminiszenz, z.B. Inf. II, 139-140 „tu duca, tu segnore e tu maestro“.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 07527)