Ferdinand Blumentritt an Hugo Schuchardt (027-01064)

von Ferdinand Blumentritt

an Hugo Schuchardt

Leitmeritz

25. 04. 1883

language Deutsch

Schlagwörter: Literaturbeschaffung Wörterbücher Grammatikographie Networking Bibliotheken und Bibliothekswesen Sprachprobe Lexikographie Das Auslandlanguage Tagaloglanguage Spanischbasierte Kreolsprache (Philippinen)language Spanisch (Peru)language Spanisch (Bolivien)language Spanisch (Chile) Meyer, A. B. Gabelentz, Hans Georg Conon von der Rost, Reinhold Vidal y Soler, Sebastian Labhart-Lutz, Johann Conrad

Zitiervorschlag: Ferdinand Blumentritt an Hugo Schuchardt (027-01064). Leitmeritz, 25. 04. 1883. Hrsg. von Veronika Mattes (2013). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.417, abgerufen am 07. 12. 2022. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.417.

Printedition: Mattes, Veronika (2010): "Sa Profesor Schuchardt munting alay ni F. Blumentritt": Die Briefe Ferdinand Blumentritts an Hugo Schuchardt. In: Grazer Linguistische Studien. Bd. 74., S. 63-237.


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Leitmeritz den 25. April 1883

Hochverehrter Herr!

Die tagalische Grammatik sammt Diccionar werde ich Ihnen sicher verschaffen, ich schreibe unter einem an Hofrath A.B. Meyer nach Dresden, welcher, wenn er nicht gerade mit Von der Gabelentz1 tagalische Studien2 betreibt, Ihnen mit Vergnügen das Verlangte senden wird. Sollte aber hier vergebens angeklopft worden sein, so müssten Sie sich an die kgl. Bibliothek in Berlin wenden oder falls diese spröde thun sollte (obwohl sie Tagalica besitzt), so schreibe ich in letzter Instanz dem Bibliothekar des Indischen Amtes in London Herrn R. Reinhold, welcher mir schon mehre mal antrug, er werde mir Bücher senden, von welchem Antrage aber ich gar keinen Gebrauch bisher gemacht habe. Warten wir also zunächst die Dresdner Nachrichten ab. Diccionarios |2| besitzt Meyer, ob Gramaticas weiß ich mich nicht mehr zu erinnern.

Dass Entrala nicht antwortet, nimmt mich bei einem solchen aplatanado3 kein Wunder, ich habe von vielen Camagones4 Nachrichten mir erbeten, aber auch ohne jeden Erfolg. Der intelligenste der auf den Phil. lebenden Spanier Sebastian Vidal-Soler lässt mich stets durch Labhart grüßen und verspricht dabei mir eine ganze Liste von Zusätzen u. dgl. einzusenden, thut aber doch nichts dergleichen.

Mit herzlichen Grüßen


Ihr ganz ergebener


F. Blumentritt

:/:

|3| Español de Atacama / Grenzgebiet Bolivien, Chile, Peru

Camanchaca dicker träger Nebel, der unversehens sich vom Meere heraufwälzt und das Land einhüllt

Pampa bedeutet hier nicht wie jenseits der Anden eine ebene, grasbewachsene Steppe, sondern die nackte bald steinige, bald sandige Wüste.

Caliche hier: salpeterhaltige Erde

Calichera " ein Salpeterfeld

Espino " Akazie

Parada " verlassener Salpeter-Siede-Platz

Cachucho geschlossener Siedekessel

Salitron Gemenge von kohlensaurem u. salpetersaurem Alkali

|4|Caliche azufrado Caliche mit gelben Flecken von chromsaurem Natron

Aus: L. Darapsky5, die Salpeterwüste (Ausland 1883, Nr. 16 p. 3095.[)]6


1 Hans Georg von der Gabelentz (1840-1893), Sprachwissenschaftler, Sinologe und Politiker. Im Nachlass Schuchardts existieren sieben Briefe von von der Gabelentz (Briefe Nr. 03204-03210).

2 Von der Gabelentz beschäftigte sich im Rahmen seiner Malayo-Polynesischen Studien auch mit dem Tagalog. In seiner Geschichte der Sprachwissenschaft (1891) Die Sprachwissenschaft, ihre Aufgaben, Methoden und bisherigen Ergebnisse vertritt er die Idee, dass die philippinischen Sprachen die Proto-Malayische Grammatik genauer wiedergeben als die polynesischen Sprachen (s. Spiecker-Salazar 1992). Meyer und von der Gabelentz veröffentlichten 1882 zusammen die Beiträge zur Kenntnis der melanesischen, mikronesischen und papuanischen Sprachen, ein erster Nachtr. zu Hans Conon's von der Gabelentz Werke „Die melanesischen Sprachen“.

3 „Aplatanado ein Europäer, der sich acclimatisiert und die Landessitten angenommen hat; dann: indolent, faul, apathisch.“ ( Blumentritt 1882d: 5).

4 Bezeichnung für Spanier, die lange Zeit auf den Philippinen gelebt hatten. (Für diese Anmerkung danke ich Mauro Fernández.)

5 Ludwig Darapsky (1857-1916), deutsch-chilenischer Chemiker und Mineraloge in Santiago, Chile.

6 Das Ausland. Überschau der neuesten Forschungen auf dem Gebiete der Natur-, Erd- und Völkerkunde. Ein Tageblatt für Kunde des geistigen und sittlichen Lebens der Völker mit besonderer Rücksicht auf verwandte Erscheinungen in Deutschland. Erschienen im Verlag von Johann Friedrich Cotta von 1828-1893.

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