Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (155-096)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

04. 10. 1911

language Deutsch

Schlagwörter: Revue internationale des études basques Aranzadi y Unamuno, Telesforo de Linschmann, Th. Leizarraga, Joanes Dodgson, Edward Spencer

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (155-096). Graz, 04. 10. 1911. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4090, abgerufen am 01. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.4090.


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Graz 4.10.11

Sehr geehrter Herr und Freund,

Anbei der bewußte Aufsatz für die Revue, wann sie gerade einmal Platz dafür hat; ich fürchte die Eleizalde usw. werden gegen diese wiederholten Vorstöße des Deutschen Einwand erheben. An diesem gauntza tragen Sie nun, wie Sie wohl wissen, auch mit die Schuld; und zwar noch durch die willkommene Übermittlung der Buruchkak. Ich habe mich da auf ein sehr schlüpfriges Gebiet |2| begeben, es gehörte das Sprachgefühl des Einheimischen dazu, um bis auf den Grund gehen zu können. Hoffentlich behüten Sie mich vor den ärgsten Fehltritten.

Vor einigen Tagen habe ich auch eine sehr ausführliche Besprechung von T. de Aranzadis Antropología und Etnología vasca an den Anthropos eingeschickt.

Ich hätte Ihnen gern im Hinblick auf das Après-moi einige Mitteilungen gemacht; zuvor aber von Ihnen zu wissen gewünscht ob Sie mit Linschmann in irgendwelcher Beziehung stehen. Er hat sich ohne jeden mir ersichtlichen Grund mir entfremdet oder, banaler ausgedrückt, er hat mir etwas übel genommen, und ich |3| weiß nicht was. Nur über eines könnte er sich vielleicht beklagen. Er hatte sich gedacht, jeder von uns sollte eine Einleitung zum Leiçarraga schreiben, ich die sprachliche, er die sachliche – das heißt er wollte die Reformationsbewegung bei den Basken behandeln. Meiner Ansicht nach sollten die Schriften L.s. nur als Sprachdenkmäler zu neuem Abdruck kommen, und ich habe diese Ansicht auch durchgesetzt, aber ohne daß es zwischen uns zu heftigen Auseinandersetzungen gekommen wäre; ich habe nicht einmal den Eindruck bekommen daß L. diesen Verzicht sehr schmerzlich empfunden habe. – Jedenfalls kommt es mir ganz töricht vor daß zwei Leute die Jahre hindurch Schulter an Schulter gearbeitet haben und im besten Einvernehmen miteinander gestanden sind, nun nach der Vollen|4|dung des Werkes, sich nicht mehr kennen. Der Wunsch mit L. wieder auf dem alten Fuß zu stehen, hat sich bei mir mit der Zeit gesteigert; besonders seit ich, vor Kurzem erst, von Dodgson, mit dem ich ja keinerlei Verkehr unterhalte den Wiederabdruck einer Anzeige von Dodgsons Analyse ich weiß nicht welchen Teiles von Leiç. aus Linschmanns Feder erhielt. Was sich Dodgson eigentlich bei den Zusendungen an mich denkt?

Mit herzlichem Gruß

Ihr erg.

H. Sch.

Als „Blattfüllung“ – wie man jetzt sagt – folgendes:

‒ Kennen Sie: F.-P. Thiers Recherches sur les Ibères du Roussillon. Narbonne, Impr. F. Gaillard, Rue Corneille 1908? Meinen Sie daß ich die 26 Seiten zählende Schrift von dem Drucker mir verschaffen könnte?

‒ In meinen Notizen finde ich häufige Zitate aus Duvoisin IV, V; es scheint sich um Texte von Märchen zu handeln und die Zahlen sich auf die Bände einer Zeitschrift zu beziehen: aber ich kann, mit Vinsons Bibliogr., sie nicht ermitteln. ‒ ?

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 096)