Adolf Tobler an Hugo Schuchardt (16-11721)

von Adolf Tobler

an Hugo Schuchardt

Berlin

08. 01. 1900

language Deutsch

Schlagwörter: Dankschreiben Publikationsversand Englischsprachige Literatur Vorträge Jahrhundertwende Sprachen in Nordasien Universität Berlin (Friedrich-Wilhelms-Universität) Lehmann-Haupt, Carl Friedrich Schuchardt, Hugo (1899) Schuchardt, Hugo (1900) Schuchardt, Hugo (1900)

Zitiervorschlag: Adolf Tobler an Hugo Schuchardt (16-11721). Berlin, 08. 01. 1900. Hrsg. von Frank-Rutger Hausmann (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4051, abgerufen am 14. 02. 2026. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.4051.


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Berlin W. Kurfürstendamm 25
8.I.1900

Verehrter Freund und Kollege,

haben Sie verbindlichen Dank für die gütige Zusendung Ihrer Rom. Etym. II1, die ich gewiß mit großem Nutzen und mit immer neuem Staunen über die Weite Ihres Forschungsgebietes lesen und mit denen ich hernach Ihrem Winke gemäß verfahren werde.2 Den Dr. Lehmann betreffend3 höre ich soeben von seiner Schwester, die es wissen muß, daß er am 20. Okt. des vorigen Jahres nach Berlin zurückgekehrt ist und seine frühere Wohnung N.W. Luisenstr. 51, Quergebäude III bei Frau Posnansky4 wieder bezogen hat. Er wird, so schreibt sie, Sonnabend d. 13. in der hiesigen anthropologischen Gesellschaft zusammen mit Dr. Belck5 über ihre Reise Bericht erstatten. Sie werden über diesen Vortrag ohne Zweifel in den hiesigen Zeitungen ein paar Tage später einiges lesen können, doch wird er hoffentich nicht versäumen Ihnen gegenüber nachträglich seine Schuldigkeit zu thun. – Auf ihre neuen Verwendungen zu gunsten des verkürzten Jahrhunderts bin ich froh gespannt.6 Unsere Universität feiert das angeblich angebrochene nächsten Sonnabend, bei welchem Anlaß ich durch Wegbleiben bescheiden re- und de-monstrieren werde.

Mit freundschaftlichem Gruß

Ihr

AT.


1Romanische Etymologieen II“, Sitzungsberichte d. Wien. Ak. 141, III, 1899, 1-222.

2 Tobler meint vermutlich die methodischen Vorüberlegungen Schuchardts zu Beginn der Abhandlung.

3 Carl-Friedrich Lehmann-Haupt (1861-1938) war Orientalist und Althistoriker. 1898/99 unternahm er eine Forschungsreise in die Nordosttürkei und Armenien, wo er urartäische Inschriften entdeckte. Im Jahr 1901 wurde er ao. Prof. in Berlin; es folgten Professuren in Liverpool, Oxford und, nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, in Konstantinopel und Innsbruck. Vgl. auch seinen Briefwechsel mit Schuchardt aus den Jahren 1899-1920 (HSA, Lfd. Nr. 06294-06304).

4 Möglicherweise eine Verwandte des Prähistorikers und Forschungsreisenden Arthur Posnansky (1873-1946).

5 Vgl. Bericht über die Ergebnisse der von Dr. W. Belck und Dr. C.F. Lehmann-Haupt 1898/99 ausgeführten Forschungsreise in Armenien, Berlin 1900 [Ausz. aus den Sitzungsberichten der Kgl. Preuß. Akad. d. Wiss., Jg. 1900, 1. Halbbd., 619-635]. – Waldemar Belck (1862-1932) war Chemiker und Amateur-Archäologe und hatte ab 1891 Forschungsreisen nach Armenien unternommen. Vgl. seine „ Reisebriefe von der armenischen Expedition “, die in drei Teilen im 15. u. 16. Bd. der Mitteilungen der Geographischen Gesellschaft in Hamburg 1899-1900 publiziert wurden.

6Was bedeutet die Jahreszahl?“, Tagespost (Graz) 3. Jänner 1900; „1900 oder 1901“, Tagespost (Graz), 6. Jänner 1900.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 11721)