Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (104-067)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

22. 08. 1910

language Deutsch

Schlagwörter: Revue internationale des études basqueslanguage Iberischlanguage Berberischlanguage Lateinlanguage Ägyptischlanguage Französisch Aranzadi y Unamuno, Telesforo de

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (104-067). Graz, 22. 08. 1910. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.4001, abgerufen am 02. 04. 2023. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.4001.


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Sehr geehrter Herr und Freund!

Ich raffe mich aus meiner position horizontale auf (ich leide wiedereinmal an gänzlicher körp. u. geist. Erschöpfung), um Ihnen ein paar Worte über eine Stelle in dem eben eingetroffenen 2. Heft der RIEB zu schreiben (Besten Dank für 331 f.! Goutman, recte oder doch rectius Gutmann’s bask.-ugrofinn. Vergleichungen habe ich schon vor Jahren gewürdigt), und zwar handelt es sich um die Schlußworte Aranzadis S. 336. Der Botaniker den ich als Baskologen sehr schätze, vertritt hier – in methodischer Hinsicht – Anschauungen wie ich sie als Sprachforscher nachdrücklichst zurückweisen muß (und auch bei andern Gelegenheiten schon zurückgewiesen habe). Die Tatsache daß ein Baske in der Grammatik von Sarrionandia, wenn er sie „läse“, nichts Baskisches finden würde, gebe ich natürlich zu; die Verwandtschaft zwischen Iberisch und Berberisch ist auf jeden Fall eine so entfernte daß sie nur mit den feinsten Hülfsmitteln nachgewiesen werden kann. Reden Sie doch einem Wallonen und einem Gaskogner oder einem Bergamasken und einem Neapolitaner ein (natürlich müssten es Analphabeten sein) daß sie die gleiche Sprache, ( Latein), nur in mundartlicher Verschiedenheit sprechen! Und was wenigstens das Ägyptische und das Berberische (el amacigo) anlangt, so besteht noch heutzutage unter den Fachmännern kein Zweifel an der Ver|2|wandtschaft zwischen beiden; und ihre Gemeinsamkeiten, die allerdings dem Auge des Laien entgehen, sind zahlreich genug. Mit dem Hottentotischen steht es anders; seine Beziehungen zum Ägyptischen sind noch keineswegs sicher dargelegt. Übrigens – es tat mir leid es zu sagen weil Sarrionandia ein Baske ist – seine Grammatik ist recht schlecht, wird von der großen Menge von Arbeiten über berberische Mundarten die in franz. Sprache erschienen sind weit zurückgelassen.

Mit herzl. Gruß

Ihr

H.Sch.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 067)