Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (102-189)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

26. 05. 1910

language Deutsch

Schlagwörter: Harriet, Maurice Urquijo Ybarra, Julio de Darricarrère, Jean Baptiste Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Bonaparte, Louis Lucien

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (102-189). Graz, 26. 05. 1910. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3999, abgerufen am 03. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.3999.


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G., 26.5.’101

Sehr geehrter Herr und Freund,

Ich danke Ihnen bestens nun auch für 22/5. Was Harriets Wtb. anlangt, so wäre es gut – ich begreife daß de Urquijo es nicht seinem ganzen Umfang nach abdrucken will*) ‒ wenn die sonst nicht bezeugten Formen oder Wörter ausgezogen und zusammengestellt würden. Die Arbeit wäre gar nicht anstrengend und die Ergebnisse würden im Druck keinen allzu großen Platz einnehmen. Dasselbe möchte ich von Darricarrère|2| erhoffen, mit andern Worten, einen Nachtrag zu Azkue – nicht etwa breite Wiederholung alles dessen was schon bei diesem steht. Kurz (um nicht auch von den Hdss. des Prinzen B. zu sprechen) eine möglichst vollständige Sammlung alles bisher noch nicht veröffentlichten, sondern nur handschriftlich vorhandenen lexikalischen Stoffes. – Es ist zu bedauern daß so vieles begonnen worden ist was auf keinen Abschluß zu rechnen hat. Vor Allem tut mir das leid für die Grammatik von Ithurry, die ich bis zum einschl. 23. Bogen besitze – es ist doch wirklich nichts weiter erschienen? Gerade jetzt käme sie |3| mir, in Vollständigkeit, trefflich zu statten wie ich auch den Torso fleißig zu Rate ziehe. (Übrigens sehr viel kann nicht mehr fehlen, und so wäre die Fortsetzung vielleicht doch zu bewerkstelligen). Ich habe nämlich in den letzten Tagen meine vor etwa einem Jahrzehnt niedergeschriebene „Einführung ins Baskische“ (Parabel vom verlorenen Sohn nach Leizarraga) wieder vorgenommen, und trachte ihr die letzte Feile zu geben. Diese allerdings kostet mich wie bei allen Arbeiten die meiste Mühe; meine Ansichten von den baskischen Spracherscheinungen haben sich kaum wesentlich verändert. |4| Also stofflich ist die Arbeit fertig und formal zum allergrößten Teil. Ob ich diesmal zum Schluß komme? Der Augenblick ist allerdings der denkbar ungünstigste. Ich habe meine größere Arbeit unterbrochen, von einer kleineren, zu der ich von außen angeregt worden bin, noch gar nichts zu Papier gebracht. Denn mein Kopf ist – dank dem abnormen Wetter – schwerer und dümmer als je. Aber manchmal gelingt es mir dann wann ich zu dem Bisherigen gar keine Kraft mehr fühle, mit etwas Neuem (und relativ neu ist mir ja nun die „Einführung“) mich nicht ganz nutzlos zu beschäftigen. – Das Buch von Eguilaz steht mir seit langen Jahren nahe (räumlich); mit dem Verfasser war ich 1879 in Granada sehr befreundet. Trotz seines bask. Namens wußte er wohl kaum Baskisch; und sein Werk ist überhaupt recht entbehrlich. Anders verhält es sich mit dem mozarabischen Wtb. seines Kollegen und Freundes Simonet, das ich sehr häufig nachsehe. Die Res Aquitanicae2 kenne ich nicht; kennt sie de Urquijo?

Mit herzl. Gr.

Ihr erg.
H. Schuchardt

*) mit den Erklärungen nämlich ist nicht viel anzufangen; die von ogigaztai wird zwar viele Basken bestechen, ist aber ganz falsch (s. Azkue u. d. W.)


1 Der Brief ist unter 1918 eingeordnet, allerdings sprechen sowohl das Thema als auch die Anrede – die erst ab Lacombes Besuch in Graz 1913 „lieber Freund“ lautet – für 1910.

2 Antoine Dadin de Hauteserre , 1648.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 189)