Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (059-046)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

22. 07. 1909

language Deutsch

Schlagwörter: Urquijo Ybarra, Julio de Harriet, Maurice Winkler, Heinrich Schuchardt, Hugo (1909)

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (059-046). Graz, 22. 07. 1909. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3952, abgerufen am 27. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3952.


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Graz, Villa Malwine
22.7.’09.

Lieber Herr und Freund,

Ich bin mir meiner Briefschuld an Sie wohl bewusst geblieben und hätte Ihnen in diesen Tagen jedesfalls geschrieben. Nun ist Ihre Mahnung gekommen und ich danke Ihnen bestens dafür.

Die Stelle wo Sie von mutil reden, habe ich in Ihren letzten Briefen nicht auffinden können. Wahrscheinlich beziehen Sie sich auf mein Bask. u. Rom. S. 6, wo ich die Herleitung von bask. mutil aus lat. mutilus (vgl. span. mozo / lat. *mutius) altbekannt und |2| sicher annehme.

Bask. beribil für „Automobil“ ist vom rein linguistischen Standpunkt aus gesehen, unzulässig, aber äußerst praktisch, weil onomatopoetisch und an Automobil anklingend.

Ich schrieb neulich an Geuthner, dass ich von meiner kleinen Schrift über die Lautgesetze (nur 39 Seiten!) bloss ein Exemplar besässe. Nun habe ich zwar noch eines gefunden, möchte es aber gern behalten, weil ich in der Tat daran denke (und schon seit vielen Jahren) meine kleinen Arbeiten gesammelt zu veröffentlichen. Beim Neudruck geht aber ein Exemplar zugrunde, und es ist begreiflich |3| dass man eines in der ursprünglichen Gestalt zu bewahren wünscht. Indessen entdecke ich vielleicht ausserdem die Aushängebogen der Schrift – es schwebt mir vor sie gesehen zu haben. Meine Bibliothek ist nämlich immer noch in grosser Unordnung. Die Villa ist schon ganz vollgestopft mit Büchern und ich habe fast keinen Platz mehr.

Wie es scheint, haben Sie sich nicht an die RB „rallîiert“? Meine „Iberische Personennamen“ sind nun schon so lange gesetzt und kommen doch nicht ans Licht. J. de Urquijo hat wohl den Grundsatz die Separata erst nach dem Erscheinen des betreffenden Heftes |4| ausgeben zu lassen; vielleicht ist das aus technischen Gründen nicht gut anders möglich (was mich betrifft, so reflektiere ich durchaus nicht auf besondere Umschläge). Die Verspätung ist mir deshalb unangenehm weil nun alle Universitätsprofessoren in die Sommerfrische gehen und die Zusendungen sie wiederum verspätet erreichen und grossenteils zunächst unbeachtet bleiben.

Was Sie über das Wörterbuch von Harriet sagen, ist mir nicht ganz klar. Gibt es denn ein handschriftliches? Ich kenne nur das in seiner Grammatik, die ich besitze (S. 268 ff.). Das franz.- (oder span.-) baskische Wörterbuch Azkues scheint viel langsamer vorwärts zu schreiten |5| als das bask.-sp.-fr.; ich befürchte sehr dass er Dinge hineinbringen wird die besser draussen blieben.

Winklers Arbeit sagt auch mir, wie ich Ihnen glaub ich schon mitteilte, nicht zu; vielleicht schreib ich eine Anzeige davon. Die von Philipons Buch habe ich jetzt aufgegeben, obwohl ich mich gewaltig dazu gerüstet hatte; aber man soll nicht „mit Kanonen nach Spatzen schiessen“. Der Hauptgrund ist dass Wichtigeres mir dazwischen gekommen ist. Allerdings bin ich immer sehr beschäftigt und tue doch wenig, kann wenig tun. In der Gewittersaison ist meine Neurasthenie besonders stark, und so bin ich denn wiederum gezwungen mich kürzer zu fassen als ich beabsichtigte.

Mit besten Grüssen

Ihr

H.Sch.

Don Julio reist wohl zur Bestattung von Carlos VII nach Triest?

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 046)