Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (026-027)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

09. 02. 1909

language Deutsch

Schlagwörter: language Baskischlanguage Latein Bonaparte, Louis Lucien Azkue y Aberasturi, Resurrección María de

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (026-027). Graz, 09. 02. 1909. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3917, abgerufen am 03. 02. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.3917.


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L. H. u. Fr.!

Ich schreibe Ihnen in Eile, indem ich Ihnen für Ihren Brief bestens danke. Sobald ich ein wenig Zeit finde, sende ich Ihnen des Pr. Bonaparte Briefe in Abschrift oder im Original mit ein paar Bemerkungen meinerseits. Heute nur ein paar Worte über etwas was mir sehr am Herzen liegt. Ich bin mit Azkue in Briefwechsel getreten, und sehe nun zu meinem grossen Erstaunen und Bedauern dass er in seinen anfänglichen Sprachmystizismus zurück gefallen ist, während ich hoffte er würde an den Ufern des Rheines die frische Luft der modernen Sprachwissenschaft einatmen. Er fragte mich was ich über den Zusammenhang von gorputz (dessen Herkunft von corpus er doch nicht leugnet) mit gorri usw. dächte. Darauf gab ich ihm Antwort. Nun kommt er mit der Ansicht dass wenn -dun „que tiene“ bedeute, -din soviel sei wie „que es“ z.B. gordin, crudo, lit. lo que es gor, gorri, encarnado, color de carne (en gorputz). Ich |2| habe nicht die Zeit und die Kraft ihm darüber zu schreiben; ich könnte mich ja nicht darauf beschränken ihn auf den Zusammenhang von gordin mit span. gordo, lat. gurdus (ein hispanisches Wort!) hinzuweisen, ich müsste die ganze Grundlage seiner Anschauungen zu erschüttern versuchen. Wie denkt er sich denn die Urverwandtschaft von Baskisch und Lateinisch (caro, cruor, crudas ~ gorri u.s.w.)? Will er auf den Pfaden Chahos und Darricarrères wandeln? Wie soll man ihn bekehren?

Mit herzl. Gruss

Ihr
H. Sch.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 027)