Hugo Schuchardt an Willem Jan van Eys (25-10)

von Hugo Schuchardt

an Willem Jan van Eys

Graz

03. 01. 1897

language Deutsch

Schlagwörter: Literarisches Centralblatt für Deutschland Linschmann, Th. Leipzig

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Willem Jan van Eys (25-10). Graz, 03. 01. 1897. Hrsg. von Bernhard Hurch, Andrea Lackner, Maria José Kerejeta, Thomas Schwaiger und Ursula Stangl (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3901, abgerufen am 24. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3901.


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Graz, 3 Jänner 1897

Hochverehrter Herr,

Schon längst war es meine Absicht mich nach Ihrem und Ihrer Frau Gemahlin Befinden zu erkundigen. Ich hatte gehofft dass ich im vorigen Jahre nicht nur von Ihnen hören, sondern auch Sie sehen würde; Sie hatten ja von dem Besuch der Budapester Ausstellung |2| gesprochen.

Ihre baskischen Sprichwörter habe ich baldigst nach deren Erscheinen im Liter. Centralblatt angezeigt; ich habe Ihnen die Nummer nicht gesandt, weil ich kein zweites Exemplar davon hatte, und weil die Anzeige nur in einer Hervorhebung der Wichtigkeit jener Veröffentlichung bestand. Meine Absicht näher darauf einzugehen (in einer Uebersicht über die baskologische Litteratur der letzten Jahre) habe ich noch nicht ausführen können.

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Mit Pfarrer Linschmann beabsichtige ich das N.T. von Liçarrague herauszugeben. Ich reiste eigens nach Leipzig um die Benutzung des Exemplars der Stadtbibliothek zu erlangen. Ich musste es gleichsam zum zweiten Male entdecken. Der Bibliothekar liess sich herbei, das Exemplar dem Pf. L. auf drei Monate in seine Pfarrei zu schicken. Hoffentlich wird er mit dem Abschreiben fertig. Ich habe mich indessen mit der Deckung der Druckkarten beschäftigt; ich hoffe dass unsere Akademie, die jetzt sehr gut bei Kasse ist, dieselben bestreiten wird, wenigstens zum grössten Theil. Eine besondere Sorge macht |4| mir noch die Revision. Meiner Ansicht nach muss Bogen für Bogen mit dem Original verglichen werden; wird sich aber eine Bibliothek finden, welche ihr Exemplar während der ganzen Zeit des Druckes ausleiht? Viel Mühe macht auch die Schätzung der Druckkosten; wenn das ganze N.T. so gedruckt würde wie Sie das Ev. Matth. haben drucken lassen (auch auf Holländischem Papier) so würde es gegen 2800 Gulden ö. W. zu stehen kommen (ganz abgesehen von den Beigaben). Ist es sehr indiskret zu fragen wie viel Sie für das Ev. Matth. gezahlt haben? Die Seiten sind denen des Originals gleich; auch die Zeilen? Ich hätte noch mancherlei zu fragen; aber es ist vielleicht besser wenn ich Sie dringend bitte, mir für unsern Neudruck Liçarragues alle die Rathschläge zu geben die Sie geben wollen und können, auch mit Rücksicht auf etwaige Prolegomena. Niemand kennt ja den Liçarrague und seine Sprache so wie Sie; ich, der ich das Original selbst nur auf ein paar Augenblicke in den Händen gehabt habe, kenne ihn nur sehr wenig.

Mit der Bitte mich Ihrer Frau Gemahlin zu empfehlen und mit den herzlichsten Wünschen für Sie Beide

Ihr dankbar ergebener

H. Schuchardt

Faksimiles: Die Publikation der Abschrift der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Azkue Biblioteka (Euskaltzaindia). (Sig. 10)