Willem Jan van Eys an Hugo Schuchardt (16-02855)

von Willem Jan van Eys

an Hugo Schuchardt

San Remo

08. 01. 1895

language Deutsch

Schlagwörter: Euskara (Organ für die Interessen der "Baskischen Gesellschaft")language Baskisch Uhlenbeck, Christian Cornelius Hannemann, Karl Dodgson, Edward Spencer

Zitiervorschlag: Willem Jan van Eys an Hugo Schuchardt (16-02855). San Remo, 08. 01. 1895. Hrsg. von Bernhard Hurch, Andrea Lackner, Maria José Kerejeta, Thomas Schwaiger und Ursula Stangl (2016). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3837, abgerufen am 24. 02. 2024. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3837.


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San Remo 8 Jan. 1895.

Verehrter Herr,

Ich danke Ihnen sehr für Ihren Brief und Ihre Wünsche. – Ich habe nicht eher antworten können auf die mir indirekt zugerichtete Frage (schon auf Bl. 28 Ihrer Abhandlung angerührt), nämlich betreffend diat aus dihat. Ich glaube also; Dugu = du + gu; duk = du + hi; dik = di + hi; folglich muß in Diat auch ein h stecken, (den wir bloß als k kennen) und der sich dann auch wirklich im Guip. dikat zurückfindet.

Diat war also dikat, aus dihat weil für mich der ursprüngliche Consonnant h ist; und k hypothetisch. – Da mittel-k, nicht geliebt ist, (wovon zahllose Fälle) so fällt k aus und dikat wird diat. Nimmt man meine Theorie (k aus h) nicht an, so ist die Sache noch einfacher, gibt es eine Stufe weniger und Diat ist aus dikat mit ausgeworfenem k. –

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Mit dem “schwerlich sprechbare Formˮ, meinen Sie, glaube ich, daß es kein Vocal gibt in diht; ich sehe die Schwierigkeit nicht recht ein. Wenn es keine Wurzelvocal gibt so gibt es doch eine Vocal, die man sich hier, so es scheint, als a gewählt hat; die Aussprache kümmert sich bisweilen sehr wenig daraus was der Grammatiker wünscht; so bei uns sprechen wir, u, y, e als a, e (dumpf, wie e muet der Franzosen) zult gy het hem, “wirst du es ihm[ˮ], sprechen wir: zalj’t’m, wo die Apostrophe den e andeuten. –

Die k-h Theorie kann ich hier nicht besprechen allein ich möchte sagen daß es mir fraglich scheint ob man so ohne weiteres alle initiale h, auf k notwendigerweise zurückfüren muß. So bestände kein einziges Wort mit initialem h?. So konnte oder musste ich Haus und Hund |3| auf Kaus kund zurückfüren. Ich habe alle Respect für die physiologische Lautgesetzte; ich glaube aber das dieselben den Fall von f = sch (deutsch) nicht vorsehen haben und doch ist es so bei uns in S. Remo: Fiuri wird Schiuri!

Wir sind so volkommen im Dunkel was und wie Baskisch war daß ich lieber nachweisbare Fakten als Hypothesen annehme. – Da wir auf Seite 28 Ihrer Abhandlung waren, möchte ich sagen daß ich Ihre Bemerkung über Niatorkezu ganz richtig finde; die, betreffend den euphonischen a scheint mir fraglicher; kommen wir weiter mit einem hypothetischen Grundvocal (ka-n a) als mit einem euphonischen? und wenn Sie Etwas ironisch herabsehen auf die bask. Lautgesetze, so geben dieselben Ihnen doch die Möglichkeit ein Dissimilirung (t - k vor n) |4| anzudeuten, wie auch eine Variante (doch hypothetisch) nienakan von niezan. – So begreife ich auch nicht recht wenn Sie mir verweisen nach Zavala (S. 29)1 der ganz gerade das nämliche sagt wie ich betreffend i in der vertrauliche Rede.

Es thut mir Leid daß Prof. U gereizte Briefe schreibt. Ich kenne ihn nicht; seit 25 und mehr bin ich nicht mehr in Holland; er schickte mir seine Schriften. – Hannemann behauptet er habe den Euskara, mit seiner gereizten Kritik, getödtet; es mag sein; ich frage mir ab ob die Artikel des D und S2 nicht Schuld daran sind. – Seit mehr als einem Jahre habe ich Dodgson geschrieben, er soll seine Correspondenz aufhören; wenn er Sie geplagt hat wie mich so beklage ich Sie; Jede Woche zwei, drei Postkarten für die Capanaga Ausgabe. – Was er wußte, wußte ein Jeder; was er nicht wußte, und das war viel fragte er mir! – Ich habe immer vergessen zu melden daß ich3 diesen Sommer auf der Bibliothek in Darmstadt das älteste gedruckte Guip. Brief gefunden haben; Sprichwörter

Ihr ganz ergebenster
W.v.Eys.


1 El Verbo regular vascongado del dialecto vizcaíno por Juan Mateo de Zavala, Baroja, Donostia-San Sebastián, 1848.

2 Vermutlich sind Dodgson und Schwerdtfeger gemeint.

3 Fortsetzung am linken Seitenrand.

Faksimiles: Universitätsbibliothek Graz Abteilung für Sondersammlungen, Creative commons CC BY-NC https://creativecommons.org/licenses/by-nc/4.0/ (Sig. 02855)