Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (024-026)

von Hugo Schuchardt

an Georges Lacombe

Graz

22. 01. 1909

language Deutsch

Schlagwörter: Urquijo Ybarra, Julio de Bonaparte, Louis Lucien Charencey, Hyacinthe de Baskenland Sare

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Georges Lacombe (024-026). Graz, 22. 01. 1909. Hrsg. von Katrin Purgay (2017). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3808, abgerufen am 29. 01. 2023. Handle: hdl.handle.net/ 11471/518.10.1.3808.


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Graz, Fux-gasse 30,
22. 1. '09

Sehr geehrter Herr und Freund,

Die Revue Basque entwickelt sich prächtig und Ihre beiden Leiter verdienen uneingeschränktes Lob. An Herrn von Urquijo habe ich schon wegen der Refranes ein kurzes Kompliment abgestattet.

Natürlich sind die Beiträge nicht gleichartig; auch im Umfang bestehen wesentliche Unterschiede, so ist z.B. Howleys Aufsatz zu breit. C. Jullian könnte ‒ er hat allerdings nicht für die R.B. geschrieben ‒ über iberische Toponymie mehr sagen ‒ und Besseres. Bi-tur-is, Cala-|2|gurris u.s.w. ist recht schlimm. Calagurris ist gewiss „Rotenburg“ und Burdigala könnte vielleicht „Eisenburg“ sein. Freund Campión beschränkt sich zu sehr auf die älteren Autoren wie Diefenbach, Belloguet u.a. Bei Iluberritani wenigstens hätte er auch einen neueren und doch sehr alten zitieren können. Dass Vinson von dem Iberismus nichts wissen will, begreife ich schwer; aber zu behaupten dass „la théorie ibérienne, un peu démodée, et en tout cas fort contestée aujourd'hui“ (von wem und mit welchen Argumenten?) sei, das finde ich wirklich zu stark.

Indem ich Bonapartes Briefe an Charencey abgedruckt sah, kam mir der Gedanke |3| Ihnen die vier zur Verfügung zu stellen die der Prinz mir schrieb. Nur möchte ich einige kurze Bemerkungen vorausschicken, durchaus zu des Prinzen Ehre. Und zugleich möchte ich mich ‒ wenn Sie es überhaupt brauchen können ‒ alles desjenigen entledigen was ich von meinem Aufenthalt im Baskenland 1887 heimgebracht habe. Vor allem die Konversationen in der Sprechweise von Sare, zu denen ich meinem Lehrer, dem Schuhmacher Etcheberri die Anregung gegeben hatte, besonders in der Hoffnung hinter die Geheimnisse der Betonung des Labourdischen zu kommen. Ich hatte die Absicht, sie zur Grundlage von Bask. Stud. II zu machen; eine lange Einleitung (über Abgrenzung der Mundarten und |4| anderes Allgemeine) und zahlreiche Anmerkungen sollten die Ausfüllung bilden. Das Alles, selbst in erneuerter oder verbesserter Gestalt, jetzt, nach Azkue und nach der R.B., noch zu veröffentlichen wäre geradezu kindisch. Nur wünschte ich einige Mitteilungen über meinen dreimonatigen Aufenthalt an die Stelle des Beabsichtigten zu setzen, grösstenteils aus dem Gedächtnis, um auf diese Weise zunächst den verschiedenen Personen die mir nützlich waren, eine späte Dankesschuld zu entrichten, dann vielleicht auch einiges sachlich nicht Uninteressante zur Sprache zu bringen.

Wird das nun freilich in deutscher Sprache gehen? Herr von Urquijo eröffnete zwar vor Kurzem in bezug darauf günstige |5| Aussichten; aber vielleicht kann er mit Rücksicht auf Andere, doch nicht so wie er wünschte. Ich meinesteils möchte mich mit Überwachung und Korrektur von Übersetzungen durchaus nicht mehr befassen; ich habe zu wenig Zeit und Kraft mehr zu zu setzen. Obwohl es mir jetzt nicht schlechter als sonst geht, habe ich doch eine günstige Stunde abwarten müssen um Ihnen schreiben zu können.

Ich beglückwünsche Sie zu dem neulich gemachten und erwähnten Funde.

Mit herzlichem Gruss

Ihr
H. Schuchardt

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Fondo Lacombe (Euskaltzaindia). (Sig. 026)