Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (435-s.n.)

von Hugo Schuchardt

an Julio de Urquijo Ybarra

Graz

06. 10. 1922

language Deutsch

Schlagwörter: Tercer Congreso de Estudios Vascos (Guernica 1922) Revue internationale des études basqueslanguage Baskischlanguage Spanischlanguage Lateinlanguage Romanische Sprachen Urtel, Hermann Apraiz Buesa, Odón de Azkue y Aberasturi, Resurrección María de Karras, Ehrhardt Navarro Tomás, Tomás Meyer-Lübke, Wilhelm Marr, Nikolaj Jakovlevič Leipzig

Zitiervorschlag: Hugo Schuchardt an Julio de Urquijo Ybarra (435-s.n.). Graz, 06. 10. 1922. Hrsg. von Bernhard Hurch (). In: Bernhard Hurch (Hrsg.): Hugo Schuchardt Archiv. Online unter https://gams.uni-graz.at/o:hsa.letter.3668, abgerufen am 26. 09. 2022. Handle: hdl.handle.net/11471/518.10.1.3668.


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Graz, 6. Okt. ’22

Lieber Freund,

Vor allem meinen herzlichsten Dank für Ihren in der Sitzung vom 14. Sept. gestellten Antrag auf meine Ehrung.1 Sodann für Ihren Brief vom 26. Sept., sowie die Zeitungsausschnitte vom 12. Sept. und den folgenden Tagen.

Es scheint in der Tat so wie Sie befürchten, daß nämlich ein Brief von Ihnen an mich verloren gegangen ist, aber wohl ebenso einer von mir an Sie.2 Denn ich habe gewiß, |2|wie erschlaffend auch die Hitze des August auf mich wirkte, Ihnen für Ihren liebenswürdigen Brief vom 7. Aug. gedankt, besonders aber meine Freude über Ihre treffliche Besprechung meiner Saraabhandlung Ausdruck gegeben. Auf der andern Seite hätten Sie doch wohl auf meine Bedenken wegen der Drucklegung der Parabel Rücksicht genommen. Allerdings beschäftige ich mich in Gedanken häufig mit dem Projekt. Aber seit Anfang September leide ich wegen des beständig trüben, kühlen und feuchten Wetters so sehr an den |3| Nerven daß ich nicht eigentlich arbeiten, kaum einen und den andern Brief schreiben kann.

Es freut mich sehr daß mein Freund Urtel so gut von Ihnen und Ihren Landsleuten aufgenommen worden ist. Er schreibt mir darüber ganz enthusiastisch. Was ihn zu einem mehrtägigen Aufenthalt im Kapuzinerkloster Lekarotz veranlaßt hat, ist mir rätselhaft.

Der äußere Erfolg des Kongresses scheint — vom Wetter und einem politischen Zwischenfall abgesehen — in der Tat alle Erwartungen erfüllt zu haben. Was wird nun von allem Geplanten zuerst in |4|Angriff genommen werden? Ich hatte fest geglaubt: der Atlas; und bin sehr enttäuscht, indem ich wahrnehme, daß bei den maßgebenden Personen keinEntusiasmus dafür besteht. Es ist jedenfalls das, was sich am raschesten und am leichtesten ins Werk setzen läßt. Ich ahne natürlich nicht ob etwa Odon de Apraiz die Schwierigkeiten zu groß dargestellt hat, vermute aber daß in den Kreisen derer, die txadon für eliza usw. gesagt haben wollen, ein vielleicht nur halbbewußtes Widerstreben gegen die geographische Aufnahme der Wörter und Wortformen herrscht. Aber gerade auf |5|diesem Wege wird man am sichersten feststellen welche Wörter am meisten verbreitet sind und somit für die allgemeine Einführung am meisten zu empfehlen. Und auch dem großen baskischen Wörterbuche, über das P. Olabide berichtete, würde der Atlas geradezu als unentbehrliche Grundlage dienen. Vorderhand reicht ja Azkues Werk aus [Hat man, fällt mir hier ein, gar nicht an die Fortsetzung des begonnenen span.-bask. Wörterbuches von Azkue gedacht?]. Ich möchte mir nun einen ganz unmaßgeblichen Vorschlag erlauben; sogar nicht ohne Ängstlichkeit, denn ich stehe so hoch |6|in der Gnade der Basken daß ich bei dem nächsten unbedachten Schritt in Ungnade zu fallen befürchten muß. Es wären ein paar Probekarten anzufertigen; das würde nicht viel Mühe noch Kosten machen. Am besten von den allerhäufigsten Formen von “sein” und “haben”: da, dire, zayo, du, dute, ditu usw. Ich hatte dergleichen für die Einleitung zu meinen Saraer Dialogen entworfen und es ergab sich aus der geographischen Anordnung der schon bekannten Formen manche merkwürdige Tatsache, wie z.B. die Übereinstimmung von weit untereinander Entferntem.

Es würde mich sehr befriedigen wenn die Verhandlungen des 3. Kon|7|gresses bei Karras gedruckt würden. Zugleich stellt sich bei mir eine leise Hoffnung ein daß meine Parabelarbeit doch in absehbarer Zeit das Licht erblicken könnte. Wie ich Ihnen in dem (vielleicht verloren gegangenen) Briefe schrieb, wird sie wohl nur in einer deutschen und mir nicht allzu entfernten Druckerei auf zusagende Weise zu bewerkstelligen sein.

Da ich gerade beim Wünschen bin, so wage ich es Sie zu bitten — wenn das ohne Umständlichkeiten geschehen kann — mir das Manual de pronunciación castellana von Navarro Tomás3 unter Kreuzband zu schicken.

Meyer-Lübke hat Ihnen für die RB einen Aufsatz über mit m- beginnende baskische Wörter |8|lat. oder roman. Ursprungs geschickt;4 ich bin sehr gespannt darauf, doch glaub ich nicht, daß sich eine Polemik ergeben wird.5

N. Marr scheint nichts von sich hören zu lassen, auch sein Freund und Mitarbeiter in Leipzig ist mir gegenüber verstummt.

Mit herzlichem Gruß


Ihr getreuer


HSchuchardt

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1 No hemos podido aclarar de qué honorificación se trata. En las actas del Congreso de Guernica se recoge que el día 14 de septiembre, que era de descanso, se reúne la Sección de Lengua y se habla de la confección de El gran diccionario euskériko, pero no se menciona nada referido a Schuchardt.

2 Parece seguro que falta una carta de J. de U. de finales de agosto / principios de septiembre, pero la carta de H. S. que éste cree perdida es la 430.

3 T. Navarro Tomás (1921).

4 W. Meyer-Lübke „Romanobaskisches“, RIEV 14 (1923b): 463-485.

5 Sin embargo H. S. responderá acerca de una de las etimologías en „Bask. maite“, RIEV 15 (1924a): 19.

Faksimiles: Die Publikation der vorliegenden Materialien im „Hugo Schuchardt Archiv” erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Koldo Mitxelena Kulturunea - Liburutegia (Fondo Urquijo). (Sig. s.n.)